Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 107)
- Language
- German, English, Hebrew
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104 j. Kongreß-Sitzung: Politisches Referat der ein beredter Appell für eine vergrößerte jüdische Einwanderung nach Palästina erklang, antwortete der Kolonialsekretär, daß der High Commissioner die Notwendigkeit einsehe und bereit sei, „so viele Juden in Palästina willkommen zu heißen, wie in diesem Lande anzusiedeln wirtschaftlich möglich ist." Sollte dieses Wort „willkommenheißen" eine neue und unserer Einwanderung gegenüber günstigere Haltung bedeuten? Wenn die Juden in Palästina bis zu einer so hohen Zahl, wie das Land wirtschaftlich aufzunehmen in der Lage ist, willkommen geheißen werden, dann haben wir ein Recht, viele Aenderungen bei der Durchführung der Einwanderungsverordnungen sowie der Verordnungen selbst zu fordern. Die Arbeitereimvanderung muß auf eine Höhe gebracht werden, die dem Prinzip des „Willkommenheißens von Juden im Lande" entspricht. Und wenn Aufnahmefähigkeit die Parole ist, warum nur die Aufnahmefähigkeit für jüdische Unternehmungen? Die Regierung beschäftigt wohl einige Juden; sie muß aber viel mehr beschäftigen. Und sollen niemals auch Araber Juden beschäftigen? Die Schwierigkeiten bei d:r Einwanderungserlaubnis fürx Verwandte, Verlobte usw. müssen begütigt werden. Ein Jude, der nach Palästina kommt und einen Platz im wirtschaftlichen Leben des Landes findet, muß willkommen geheißen und darf nicht wie ein unerwünschter Eindringling behandelt werden. Die ganze Auffassung der jüdischen Immigration bedarf einer UÜberprüfung. Seitdem das Mandat der Mandatarmacht die Verpflichtung auferlegt hat, die jüdische Einwanderung zu fördern, liegt es auf der Hand, daß den Juden die Einwanderung so leicht wie möglich gemacht weiden muß, und zwar ausdrücklich den Juden. Aergerliche Beschränku;:- gen müssen beseitigt werden, weitere Beschränkungen, zum Beispiel für Aerzte, dürfen nicht eingeführt werden; andern Menschen, für die kein Nationalheim in Palästina errichtet wird und auf die sie Ii die Mandatsverpflichtung nicht bezieht, darf nicht gestattet werden» Juden die Einwanderungsmöglichkeit, die durch jüdische Opfer und Arbeit geschaffen wurde, wegzuschnappen. Dies ist der Sinn unseres Kampfes um die jüdische Arbeit. Wir haben nicht den Wunsch, die Araber zu boykottieren, und wer uns solcher Absichten beschuldigt, der weiß entweder nicht Bescheid oder er macht absichtlich falsche Angaben. Das Prinzip jüdischer Arbeit heißt, die durch jüdischen Unternehmungsgeist geschaffenen Möglichkeiten für weitere jüdische Einwanderung nutzbar zu machen. Das ist nichts Neues. Im Brief des Premierministers vom Jahre 1931 kam es bereits in folgenden Worten zum Ausdruck: „Das Prinzip der vorzugsweisen und tatsächlich ausschließlichen Beschäftigung jüdischer Arbeiter durch jüdische Organisationen ist ein Prinzip, das die Jewish Agency aufzustellen berechtigt ist." „Prinzip jüdischer Arbeit14 heißt nicht, daß durch das Vorhandensein eines großen und fast unerschöpflichen Arbeiterreservoirs, das bereit ist, sich ausbeuten zu lassen und unter Arbeits- und Lohnbedingungen zu arbeiten, die weit unter den bescheidensten Lebensbedürfnissen