Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 105)
- Language
- German, English, Hebrew
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102 j. Kongreß-Sitzung: Politisches Referat hatten die Frage nach sofortiger Unterbringung jüdischer Massen wachgerufen. Die noch schlimmeren Verfolgungen und Nöte der vergangenen beiden Jahren haben diese Forderung nach sofortiger Hille für große jüdische Massen wiederum dringend gemacht. Vor dreii% Jahren kam Palästina politisch noch nicht in Betracht; deshalb wurde damals der 'Cerritorialismns erfunden. Heute, wo Palästina politisch sehr wohl in Betracht kommt, hat man die Entdeckung gemacht, daß Palästina zu klein sei, und hat wieder einen Territoriali^mus erfunden. Kein Zionist kann dagegen etwas haben oder wünscht dem Ausweg, den bedrückte Juden gehen wollen, Hindernisse in den Weg zu legen. Als die Qual auf das Höchste gestiegen war. haben wir den Globus hin und her gedreht und gewendet und nach einem Fleckchen auf der Erde gesucht, das man für eine jüdische Besiedlung freimachen könnte. Im Jahre 1902 sprach Herzl mit britischen Staatsmännern über \ .1 Arisch, Sinai und Cypern; in den darauffolgenden Jahren wandte sich der Blick der Juden von Ostafrika nach Südwestafrika, nach Zentralamerika usw., und mit welch leidenschaftlichem Eifer stürzten sich die Menschen, die sich mit der deutschen Situation zu befassen hatten, a><t jede Möglichkeit, die dazu beitragen konnte, auf irgend einem Pia'./, in der Welt ein paar deutsche Juden unterzubringen! Möge die judenheit jedoch davor bewahrt bleiben, von ihrer Palastinaaufgabe abgelenkt zu werden. Jenseits aller historischer Betrachtuiigen müssen wir daran denken, daß jünjzi« Jahre Pionierarbeit nötii; waren, um die Bedingungen zu schaffen, die wir heute /// Paläst vn genießen. Kein Land kann ohne eine ähnliche Pionierarbeit besiedelt werden. Millionen von Pfund, Tausende von Menschenleben sind erforderlich, um ein Stück Land fruchtbar zu machen, falls sich überhaupt eines finden sollte, das die Menschheit uns vielleicht zuwerfen wird. Oder glaubt man etwa, daß man uns vorbereiteten Boden geben wird, mit Häusern, die nicht wir gebaut haben, und mit Gärten, die nicht von uns gepflanzt worden sind? Es ist ein Unrecht, leidende Juden in Ost- und Zcntraleuropa durch leichtsinniges Gerede zu Massenau>- wanderung und Masscnsiedlung zu verleiten. Schauen Sie sich doch die großmächtig ausposaunte jüdische Siedlung der letzten zehn Jahre in Rußland an, schauen Sie sich die vierzigjährige Arbeit in Argen tinien, in Kanada usw. an! Kolonisation wird in irgend einem Frciland ebensoviel Geld, Arbeit, Selbstaufopferung und Mühe kosten, wie sie in Palästina gekostet hat. Es wird lange dauern, bis der neue T.erritorialismus in der Lage sein wird, mit Tausenden von Juden zu rechnen. Laßt uns also unsere Aufgabe in Palästina fortsetzen, die über aller Konkurrenz und über jedem Vergleich steht und die große Synthese der nationalen Erlösung und der Rettung von Massen in sich trägt. ZIONISMUS — AUSWEG AUS HUNGER UND NOT.; Daß die Judenheit einen Ausweg aus der Verfolgung und dem Hunger braucht, hat auch auf die britische öffentliche Meinung gewirkt. Während es noch vor zwei Jahren möglich war, die Ansicht zu hören, daß das Palästinamandat nichts mit dem jüdischen Problem zu tun