Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 88)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ben-Gurion 85 gange bedroht ist und nach Erlösung dürstet, das die Aufgabe seines Lebens, die Aufgabe dieser Generation darin sieht, dieses Teilziel zu erreichen, und seine gesamte Kraft zusammenrafft, um diese Aufgabe zu verwirklichen. DIE SCHWIERIGKEITEN AUF UNSEREM WEGE. Ich möchte jedoch weniger über die Perspektiven dieser Aufgabe als von den gewaltigen Schwierigkeiten sprechen, die mit ihrer Verwirklichung verknüpft sind. Diese Schwierigkeiten beruhen im Lande, im Volke, liegen auf politischem Gebiete, und wir müssen sie in ihrem volle» Umfange und in ihrer Bedeutung sehen, um zu erkennen, wie wir ihrer Herr werden. Um die wesentlichen Schwierigkeiten zu zeigen, möchte ich versuchen, die Voraussetzungen für die Einwanderung einer Million Familien und für ihre Verwurzelung im Lande zu behandeln. DIE VORAUSSETZUNGEN UNSERES WERKES. Die erste Voraussetzung ist, daß wir nicht in ein leeres Land ko»?- men und nicht die Absicht haben, seine Bewohner, die bereits in ihm leben, zu verdrängen, ihnen ihren Platz, ihre Arbeit, ihre Wirtschaft und ihren Lebensunterhalt wegzunehmen, sondern wir wollen und müssen neue Siedlungsstätten, neue Arbeitszweige schaffen, eine neue Wirtschaft durch Entwicklung der im Lande vorhandenen Möglich keiten, durch Ausnützung seiner unbenützten Naturschätze, durch Bearbeitung und Ameliorierung der unbebauten oder nur teilweise oder primitiv bebauten Bodenflächen sowie durch den Aufbau einer noch nicht vorhandenen Industrie schaffen. Unsere Einwanderung nach Palästina und Ansiedlung in diesem Lande darf nicht mit einer Verdrängung der heute in ihm lebenden Einwohner, mit einer Wegnahme ihrer Arbeit und einer Verschlechterung ihrer Situation verbunden sein, sondern muß im Gegenteil eine Gesamtentwicklung des Landes, eine Gesamterhöhung des Lebensstandards seiner Bewohner, eine Vermehrung der Arbeits- und Ernährungsmöglichkeiten für alle seine Bewohner mit sich bringen. Die zweite Voraussetzung ist die folgende: der Uebergang jüdischer Massen nach Palästina bedeutet vor allem und im wesentlichen einen Uebergang dieser Massen zu einem Leben der Arbeit. Nehmen wir einen Augenblick an, daß wir heute eine Million jüdischer Familien haben, die bereit sind, sofort nach Palästina überzusiedeln (wir können annehmen, daß es in Wirklichkeit mehr sind), nehmen wir ferner an* daß ein Wunder geschieht und die Tore Palästinas sich weit öffnen, daß die Regierung dieser Million das Einströmen ins Land erlaubt, daß wir genügend Schiffe haben, um sofort all diese Massen zu befördern — so versteht sich von selbst, daß eine Million Juden so, wie sie in der Diaspora leben, in Palästina nicht existieren können. Eine Million jüdische Kaufleute, Lehrer, Rechtsanwälte, Aerzte und Schriftsteller können in Palästina nicht absorbiert werden und .in ihm keine Existenz finden. Es besteht keinerlei wirtschaftliche Möglichkeit, eine Million Juden nach Palästina zu bringen, ohne daß eine gruhdsätz-