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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 68

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 68 (sequence 71)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476292--9112-3485263
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68 /. Kongreß-Sitzung: Referat über die Lage der Juden. Behandlung ausgesetzt. In Buchara herrscht trostloses Elend, Handel •und Wandel liegen darnieder. Nicht besser ist das Los unserer Brüder im Yernen, in Kurdistan, in Georgien. Auch da werden sie ohne jeden Grund grausam behandelt. All diese Juden kommen oft zu Fuß, ein Bild jeremianischen Jammers, nach ihrem „JeruschofajinV\ der einzigen Zuflucht, dem einzigen Ziel ihrer Hoffnung. Sie kommen als Greise, patriarchalische Gestalten, weißbärtige Rabbis voller Weisheit und Würde, auch junge Pioniere und ältere Arbeiter mit Frauen und Kindern. Das ist unsere orientaii sehe Alijah! Eine heilige Bewegung, ein primitives biblisches Drama. Sie bekommen oftmals zu hören, sie seien „illegal'4. Eine solche Tragödie können nur Juden erleben. Aber Erez Israel tut sein Teil, sonst niemand. Einst gab es eine Alliance Israelite Universelle. Aber wer kümmert sich heutzutage noch um die Juden in fernen Ländern? Wo sind die Journale, diese Organe der öffentlichen Meinung, die einst mit tiefer Entrüstung über die Hochflut der Pogrome schrieben, wo die leitenden Staatsmänner, die gegen diese Schändung des Rechtsbewußtseins sich ausgesprochen hätten, w) der Schrei der Empörung, der sich über diese Verhöhnung der Gesittung erhoben hätte? Gibt es keine einflußreichen Männer unseres Stamries mehr, denen das Schicksal ihrer unglücklichen Brüder in jenen exotischen Ländern am Herzen liegt? Ist kein Adolph Cremieux und Moses Montefiore da? Ist mit ihnen ihr Geist, ihr Herz und ihr Mitgefühl ausgestorben? Es gibt kein Tribunal des Gewissens mehr. Alles bleibt stumm, wenn es sich um die Juden handelt — sogar die Juden selbst. Der Grund dieser Apathie liegt darin, daß man selbst in den freiesten Ländern mit jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland und auch mit manchen Symptomen eines eingeschmuggelten Antisemitismus so viel zu tun hat, daß man ein Interesse an persischen Marannen und dergleichen als etwas betrachtet, das im Verhältnis zum Näheren und Dringlicheren keine aktuelle Bedeutung zu haben scheint. Das mag psychologisch erklärlich sein, aber das hilft den orientalischen Juden in ihrer Qual und Pein nicht. In England kann glücklicherweise die antisemitische Sumpfpflanze nicht Wurzel schlagen; sie vegetiert kümmerlich, und alle Bemühungen, sie zur Blüte zu bringen, sind, bis jetzt wenigstens, zuschanden geworden. Die Führer der antisemitischen Bewegung in England haben übrigens nichts von jenen Eigenschaften, welche auf die Massen faszinierend wirken. Sie sind keine gewaltigen Redner, sie sind nicht wie so viele ihrer Gesinnungsgenossen in Deutschland mit allen Waffen einer Dialektik ausgerüstet, die alles „beweisen'4 kann. Sie haben keine neue Idee auf den Markt geworfen, sie plärren bloß gelehrig nach, was ihre Meister anderswo katechisiert haben. Die Organisation dieser Hetze scheint verfehlt, obwohl man Vorurteile gegen Juden auch in manchen Kreisen Englands finden kann. Aber wir wollen uns hüten, an •unseren alten Freunden die Flecken mit der Lupe zu suchen. Selbst Südafrika scheint nicht ganz immun zu sein. Bis vor kurzem kannte man in Südafrika den Antisemitismus fast gar nicht. Neuer-

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