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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 65

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 65 (sequence 68)
Language
German, English, Hebrew
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Sokolow 65 krankhaften Entartungen pathologische Erscheinungen sind, von denen dem Leben eines jeden Volkes schwere Gefahren drohen. Dieser Geist muß auch seine Nachfolger erfüllen. Die Gefahr besteht jedoch nicht in der Möglichkeit eines Sieges einer antisemitischen „Ideologie", deren armseliges Repertoire sich aus einer Reihe hohler Phrasen zusammensetzt, sondern in der wachsenden Not, die den besten Nährboden für die antijüdische Propaganda bietet. Des Hungers blasses Schreckensantlitz treibt zur Verzweiflung. Sämtliche Zweige der Industrie, des Handels und des Gewerbes sind mehr als überfüllt, tagtäglich wächst die Not, überall stößt man auf ungeheure Massen von 'Beschäftigungslosen, Deklassierten, die gerne irgendwelche Arbeit verrichten würden, wenn sie solche nur finden könnten, und die in einem Zertifikat nach Erez Israel ihre Lebensrettung erblicken. Diese Menschen haben nicht die notwendige Gemütsruhe, sich in die zionistische Problematik zu vertiefen; sie können sich nur über das ihnen Naheliegende aufregen, sie haben keine Geduld, die meisten hungern und haben die Phantasie des Hungers. In der Einschränkung der Mittel für die Lebensbedürfnisse sind sie erstklassige Virtuosen; sie sind unterernährt, oftmals fasten sie. Wie lange kann man aber dieses Asketentum aushalten? Das ist die Frage. UNSERE AUFGABEN UND DAS VERSTAATLICHUNGS¬ PROBLEM. Wir müssen unsere Brüder in Polen der leiblichen Verkommenheit entreißen, ihre Massen vom Untergang retten, wir dürfen das große, ehrwürdige polnische Judentum nicht einem Prozeß totaler Pauperisierung und langsamen Aussterbens durch Unterernährung und Krankheiten preisgeben. Besonders handelt es sich um die heranwachsende Jugend und um die vielen Waisen. Das traurige Los der verwaisten Kinder, welche infolge Mittellosigkeit ihrer verstorbenen Eltern und ihrer nächsten Verwandten dem Mangel und Elend preisgegeben sind, ihren Gemeinden zur Last fallen — wobei am meisten zu beklagen ist, daß solche Kinder der notwendigen Erziehung entbehren, welche sie in den Stand setzen würde, einst eine Stellung im Leben einzunehmen und tüchtige, achtenswerte Glieder der menschlichen Gesellschaft zu werden — ist am schrecklichsten. Mit lokaler Wohltätigkeit allein, so groß sie auch sein m^g, kann man diesen Untergang nicht aufhalten. Der Zionismus tut seine Pflicht. Wir glauben, nicht zu übertreiben, wenn wir sagen, daß er in der Hilfe für die Judenschaft Polens durch Erez Israel einen Löwenanteil hat. Diese Hilfe soll vergrößert werden. Aber auch in vergrößertem Maße wird dies nicht ausreichen. Alle jüdischen Organisa- - Honen der VPelt müssen zu Hilfe kommen — ebenso aber auch der Staat. Man wird uns die Beschränktheit der Staatsmittel entgegenhalten und auf die schweren, verantwortungsvollen Aufgaben hinweisen, die aus der Not des Grundbesitzes, dem Elende der Landwirtschaft, dem Ruin des Handwerks und all den schauerlichen Entwicklungen dem 5

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