Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 67)
- Language
- German, English, Hebrew
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64 /. Kongreß-Sitzung: Referat über die Lage der Juden. Judenhasses vernehmen — den historischen Hep-Hep-Rufen. Deshalb haben wir Zionisten mit Recht die fruchtlose Polemik aufgegeben, i Ernst gemeinte Anklagen weisen wir mit dem Ernste der Wissenj schaft zurück, aber gegen die tolle Bewegung des Hasses reagieren! wir nur durch die konstruktive Tat. Genau wie in Deutschland sind \ die allgemeinen Invektiven gegen jüdische Rasse oder Geist, Religion oder Charakter in Polen nicht wirkliche Behauptungen, die man berichj tigen könnte, sondern der Ausdruck einer gewissen Stimmung und ] auch eine Technik, eine Routine. Mit Rücksicht auf die Neutralen | kann es hier nur eine Art erfolgreicher Widerlegung geben, nämlich der Hinweis auf Tatsachen und Leistungen, die mit jenen Vorwürfen | im Widerspruch stehen. Wer kann es leugnen, daß auf allen Gebieten schwerer produktiver Arbeit in der kurzen Zeitspanne, seit wir den Wiederaufbau Erez Israels begannen, unser Volksteil aus Polen, unsere Jugend, Großartiges geleistet hat. Zu dieser Widerlegung hat der Zionismus allein die Gelegenheit geboten. Der Eindruck, den die Leistungen polnischer Juden in Erez Israel in Polen hervorrufen, ist so tief, daß man in ] manchen Kreisen die früheren Ansichten über die Juden zu revidieren 'j beginnt. Wir glauben nicht, daß dies uns bei den verbissenen Juden - fressern irgendwie helfen wird. Im Gegenteil: letzteren mag ein jüdischer Faulenzer, Wucherer, Analphabet als dankbares Objekt für Angriffe willkommener sein. Aber für die Automaten des Schimpfens gibt es keine Widerlegung. Und sollte der am schwersten arbeitende Jude noch mehr gehaßt sein, einfach gehaßt aus Haß, so ziehen wir doch das Gehaßtsein dem Verachtetsein bei weitem vor. j DIE JUDENFRAGE IN POLEN. Tatsächlich gibt es keinen Volksstamm, welcher dem polnischen \ Staat tüchtigere Bürger erzieht, als den jüdischen. Der pohlische Jude wird von niemandem übertroffen an Fleiß und Emsigkeit, an Intelligenz und Unternehmungsgeist. Er belebt den Handel und die Industrie j und stellt zur intellektuellen Klasse ein ansehnliches Kontingent. Aber { gerade hier set£t der Neid ein: Je tüchtiger der Jude, desto gefährlicher, denn er will „die Welt beherrschen" — wie man von Berlin \ aus die Welt belehrt. In Wirklichkeit denkt kein Jude daran, „die Welt j zu beherrschen". Wir beanspruchen nur" das verdiente und verbürgte j Recht aller Staatsbürger. j Wird der wilde Antisemitismus von Deutschland nach Polen hinüber- ] springen? Das ist die Frage, die uns alle beschäftigt und beunruhigt. Wir halten ein solches Unglück für unwahrscheinlich, weil die Situationen ganz verschieden sind. Der deutsche Antisemitismus verdankt seinen Sieg einem ganzen Knäuel von Ursachen, die für Polen nicht in Frage kommen. Polen ist ein siegreiches Land, und sein unlängst verstorbener Heldenführer, Marschall Joseph Pilsudski, dessen Verlust voa der Bevölkerung, darunter auch von den Juden so tief betrauert wurde, hat den Nationalfanatismus, den Hochmut, den Fremdenhaß und die Pogromtendenzen verabscheut. Er wußte, daß diese