Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 60)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokoloiv renz getreten sind. Das sind unsere Postidate, Sie bedingen sich gegenseitig. Das eine ist ohne das andere kaum vorstellbar. Es ist um so notwendiger, hierauf mit größtem Nachdruck hinzuweisen, als in diesem Punkte noch immer in manchen jüdischen und nichtjüdischen Kreisen viel Unklarheit und Voreingenommenheit besteht. So oft daher dies auch schon ausgesprochen ist, so kann es immer noch nicht häufig und stark genug wiederholt werden: es ist eine arge Selbsttäuschung, eitel Irrtum und Wahn, den Zionismus als eine Antithese der Gleichberechtigung oder als ein Surrogat und Ersatz für diese zu betrachten. Ein entrechtetes Ghetto-Judentum kann nur ein Ghetto bauen. Auf baufälligen Kehilla-Fundamenten kann man kein Nationalheim errichten. Man mag die Sache drehen und wenden, wie man will, man kommt über die Einsicht nicht hinweg, daß unsere Brüder in Erez Israel noch völlig außerstande sind, allein, aus eigener Kraft, die Macht zu schaffen, die auch nur die bescheidensten wirtschaftlichen und kulturellen Ziele zu erreichen vermöchte. IPer soll nun das Jüdische Kattonalheim ausbauen? Wer soll das ungeheuer große Kapital, das dafür notwendig ist, geben oder leihen? Die Antwort darauf muß klar sein: Die jüdische Diaspora! Selbstverständlich kann ein verfolgtes, gehetztes, bedrohtes Diaspora-Judentum für den Aufbau des Nationalheimes wenig oder nichts leisten. Das unumgänglich notwendige Hinterland für den Erez Israel-Zionismus ist eine in normalen Verhältnissen lebende jüdische Diasfora. Sowohl theoretisch, wie praktisch berühren sich nationale und individuelle Emanzipation und stehen in gegenseitiger Verbindung. Eine jüdische Diaspora gab es seit jeher und wird es immer in größerem oder kleinerem Maßstabe geben. Derjenige, welcher die Gleichberechtigung für unser Volk in der Diaspora nicht für unantastbar und nicht für unbedingt verpflichtend für die Völker der Welt erachtet und, wenn auch nur theoretisch, zu Konzessionen bereit ist, der wäre auf falschem Wege. Die Sorge um unser ganzes Volk ist eine Grundlage des Zionismus. In diesem Geiste wurde auf dem ersten Kongreß über die Lage unseres Volkes berichtet. Unsere Lehrer und Meister haben sich der richtigen Erkenntnis nicht verschließen können, daß der Zionismus das ganze jüdische Problem umfassen muß. In allen zivilisierten und freien Staaten ist der Jude loyaler Staatsbürger. Als Jude und als Zionist, stolz auf seine Rasse, treu seiner historischen Tradition, widmet er im alltäglichen Leben seine Intelligenz, sein Vermögen und, wenn die Not es erheischt, sein Leben dem Staat, dessen gleichberechtigtes Mitglied er ist. So gehen gleichberechtigte Juden aus Amerika, England, Polen, als freie Männer nach Erez Israel, nicht überstürzt, ohne hinausgedrängt und in ihren Vermögensverhältnissen ruiniert werden zu müssen. Zionismus bedeutet nicht eine Austreibung der Juden nach Palästina, sondern eine freiwillige Rückkehr Israels nach Erez Israel. Indem der Zionismus neue große- Möglichkeiten für jüdische Auswanderung schafft, die einzigen Möglichkeiten, die es heute gibt, be-