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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 56

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 56 (sequence 59)
Language
German, English, Hebrew
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…/3476254-3476292--9100-3485251
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56 /. Kongreß-Sitzung: Referat über die Lage der Juden. z.B. hatten sie eine Obrigkeit, „Vierländersynode44 genannt. Der deutsche Antisemitismus vergönnt den Juden nicht einmal die geographische Bezeichnung „deutsch", damit sie völlig haltlos in der Luft schweben. Ein neues Ghetto ist kein Traum und keine Chimäre, sondern ein Nachtgespenst, ein Alp. Wir sind seit Jahrhunderten aus dem Mittel alter herausgewachsen, und kein Erwachsener kann seine Füße in seine alten Kinderschuhe wieder hineinzwängen. Wir können uns nicht von allen menschlichen Beziehungen loslösen. Ein Zustand absoluter Be ziehungslosigkeit ist ein Unding. Deshalb ist das neue Ghetto ein totgeborenes Kind. UNSER STANDPUNKT. VPir sind ganz und gar auf unsere eigene moralische Kraft ange wiesen und können aus diesem gegen uns geführten Krieg nur durch unsere innere Arbeit unzerstört hervorgehen, durch Arbeit und Prin zipientreue. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß das Prinzip der Gleichberechtigung unantastbar sein muß, daß unser ganzes Denken und Empfinden, sofern es sich um ein Gegenwartsprogramm für die Diaspora handelt, auf diesem Prinzip auch weiter bauen muß. Hie; handelt es sich nicht um die Judenschaft Deutschlands, sondern um die ganze jüdische Diaspora. Der Kampf tobt gegen die „jüdische Rasse". Nun sind die deutschen Juden nicht die einzigen Vertreter der jüdischen Rasse. Wir alle, die Juden der Welt, sind stolz darauf, dieser Rasse anzugehören. Und wenn die Idee der Emanzipation angefochten wird, so ist das eine Existenzfrage für die ganze jüdische Diaspora. Es ist bezeichnend, daß manche unserer früheren Verfechter der Emanzipationsidee kleinlaut geworden sind. Wo ist der alte Ernst, die alte Treue, die alte Begeisterung für Gleichberechtigung, die im Elende der Not von unseren Vorfahren gepflegt und verteidigt wurden? Wäre sie noch da, dann wäre man wenigstens berechtigt zu sagen: wir können gegen eine Uebermacht nichts unternehmen, aber wir wahren das Bewußtsein des an uns verübten Unrechts. Dieses Bewußtsein hat in Jahrhunderten unser Volk geadelt und ihm die beispiellose Kraft des passiven Widerstandes, der Lebensfreudigkeit und der Geistesfrische verliehen, daß dieses Volk inmitten der furchtbarsten äußeren Schicksale allzeit eine ideale, menschenfreundliche und sittliche „Rasse'v bleiben konnte. Man wird uns als Optimisten auslachen. Aber in diesem Optimismus liegt das Geheimnis der Unvergänglichkeit Israels. Die Erkenntnis der Wahrheit reift langsam und bedarf eines um so längeren Zeitraumes, je verbreiteter und eingewurzelter der Irrtum ist. Die Wahrheit bleibt sich immer gleich und, wenn sie ohne Unterlaß auf den irrenden Verstand der Menschenmassen einwirkt, bahnt sie sich endlich doch den Weg zu den Herzen und erringt den Sieg über den Wahn. Daher nicht verzagen und nichts aufgeben von unserem Programm! Erez Israel und Gleichberechtigung in der Diaspora sind die Forderungen, die wir einmütig auf all unseren Konferenzen im Jahre 1917 aufgestellt haben und mit denen wir in getrennten, inhaltlich aber zusammengehörenden Forderungen vor die Friedenskonfe-

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