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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 55

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 55 (sequence 58)
Language
German, English, Hebrew
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Sokolow 55 nen in den Hintergrund stellt. Wir sehen vor uns zum ersten Mal eine Politik, die darin besteht, in Friedenszeit, ohne jeden anderen Grund als den der Rassenzugehörigkeit, Tausenden von Menschen den Weg zu jedem ehrlichen Erwerb und zur natürlichen geistigen Entwicklung abzuschneiden, ihnen für ihre Existenz nichts übrig zu lassen und zu gleicher Zeit von ihnen nie anders als von „gefährlichen Feinden'' zu sprechen! Auch unsere Abwehr hat keinen Sinn mehr. Wenn der andere nicht hören will, hat sich die Polemik zu beugen. Was immer andere reden mögen, wir sind von dem Wert unserer Rasse überzeugt, und die Beleidigungen, die gegen unser Judentum und Menschentum gerichtet werden, weisen wir vor aller Welt mit Stolz und Entschiedenheit zurück. Jede Gruppe zeigt gewisse Züge in ihrer Physiognomie, die den anderen unangenehm sein mögen. Aber die VPelt Ordnung kann nicht auf Rassenhaß gegründet sein. Schwer ist die Verantwortung, die diejenigen auf sich laden, die solche Verletzung des Menschengeschlechtes begehen. Wir vertrauen darauf, daß die Erkenntnis von der Gleichwertigkeit unseres alten Kulturvolkes sich durchsetzen wird. Es gibt höhere Gebote allgemeiner Moral und menschlicher Gesittung, als die Maßregeln internationaler Höflichkeit. Genau so wie die Sklaverei wird vielleicht einmal die Entrechtung und Verunglimpfung einer ganzen Nation oder einer ganzen Rasse auf internationalem Wege verpönt und verboten werden. Ebensowenig wie die Sklaverei eine interne Frage ist, ist die Judenhetze und -Unterdrückung eine interne F-Yage. Und genau so wie die Hexenverbrennung werden einmal antijüdische Exzesse einem allgemeinen Verdammungsurteil anheimfallen. Dies ist nicht bloß eine jüdische Auffassung. So wie wir denken auch die skandinavischen Völker, die Engländer, die Franzosen, die Italicner, die Schweizer, die Holländer, die Belgier, die Amerikaner, die Russen und noch viele andere Nationalitäten, die man nicht als Semiten stempeln kann. Theoretisch sind wir nicht isoliert, aber in unserem Leiden stehen wir allein da. DAS NEUE GHETTO. Im Vollbesitz der Macht hat der Antisemitismus ein Manöverfeld wie keine Großmacht auf Erden; diese muß immer fürchten, sie werde ein mißratenes Experiment mit einer schweren Niederlage zu bezahlen haben. Weil für die Mißgeschicke der Judenhetze die anderen zahlen, wird dort ungehindert an den Juden herumexperimentiert werden können. Eine ganze Generation junger deutscher Juden ist von jedem Anteil am Erwerbsleben ausgeschlossen. Auf der einen Seite behauptet /man, der Jude sei arbeitsscheu, auf der anderen Seite versperrt man ihm den Weg zu ehrlicher, produktiver Arbeit in Handwerk und Landwirtschaft in dem Lande, in dem er lebt. Unserer jüdischen Jugend in Deutschland bleibt nur der Weg der Auswanderung. Man spricht von einem neuen Ghetto. Dieser Vergleich beruht auf Unwissenheit. Die Juden des Mittelalters hatten in gewissen Perioden ein Ghetto, sie genossen aber auch eine gewisse Autonomie. In Polen

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