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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1937-01-01 · 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935 · p. Seite 53

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
Date
1937-01-01
Page
Seite 53 (sequence 56)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476292--9097-3485248
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Sokolow 53 EIN KRITERIUM. Die Lage des jüdischen 'Volkes in Deutschland ist der Maßstab für den Frieden, mit dem die ehrenwerten Friedenstifter der letzten Periode die Welt beglückt zu haben glauben. Diese. Lage ist auch zugleich ein Maßstab für die Moral und die Gesittung, die Bildung und die Humanität, welche unsere Generation sich anmaßt, gewonnen zu haben. < Wir kümmern uns unmittelbar um das Leben, um unser eigenes Leben im Schatten dieses „Friedens44. Wir denken auch gar nicht daran, ein Regierungssystem als solches zu kritisieren, sondern wir befassen uns damit nur, soweit Juden betroffen sind und der jüdische Name geschmäht wird. Wir sind überzeugt, daß unsere Brüder in Deutschland deutsche Patrioten sind, wie auch die Juden Englands, Frankreichs, Amerikas usw. Patrioten ihrer Länder sind. Das geht uns übrigens hier nichts an. Uns geht positiv nur die Lage der Juden an. Wüßte man nicht, wie die „Weltbeherrschung durch die Juden", wie das „Blutmärchen", wie die „Protokolle der Aeltesten von Zion" und ähnliche absurde Erdichtungen gemacht werden, wie die widersinnige Identifizierung des Judentums, je nach Bedarf, mit Marxismus, Kapitalismus, Konservativismus, Liberalismus usw., wie die Fabeln über den Reichtum der Juden, wie die Verallgemeinerung und das Breittreten der Vergehen einzelner Juden, neben dem Totschweigen schwerer, zahlreicher Vergehen auf nichtjüdischer Seite fabriziert werden; wüßte man nicht, daß all das von antisemitischen Schlauköpfen schon lange ersonnen worden ist, um die Menge gegen die Juden aufzureizen, so könnte man, in Anbetracht dieser fixen Ideen von Juden und Judentum, dieser Monomanie einer mächtigen, herrschenden Partei schier ein jüdischer Chauvinist werden. Aber wir kennen den Antisemitismus zu lange, um uns von seinen Wahnvorstellungen irreleiten zu lassen. Wenn wir über Antisemitismus sprechen, so hat dies seine natürliche Ursache in dem Instinkt der Notwehr und des Schutzes unserer Rechte, unserer Ehre und Würde. Wenn von entgegengesetzter Seite unsere Ehre in den Staub gezerrt, wenn unsere Menschenrechte mit Füßen getreten werden, so ist die Rückwirkung dieses Gebarens auf unser Volk in der ganzen Welt von den Gegnern selbst veranlaßt, nicht aber in einer Sonderstellung der Juden zur Politik anderer Völker begründet. Die Formulierung der Judenfrage als Rassenfrage, die ja nicht auf ein Land beschränkt ist, nötigt uns zu einer prinzipiellen Stellungnahme. Kein Ehrenmann würde es verstehen, wenn wir unsere Ehre, wo sie angegriffen wird, nicht verteidigen. EIN RÜCKBLICK AUF DIE ANTISEMITISCHE BEWEGUNG. Schon länger als-^ein halbes Jahrhundert tobt der Kampf des Antisemitismus gegen uns Juden. Dieser Kampf, der in Deutschland entstanden, ursprünglich einem Sturm im Wasserglas glich, hat allmählich größere Dimensionen angenommen, weitere Kreise gezogen, die nüchternen Männer aufgerüttelt, verschiedene Klassen der Gesellschaft ergriffen, aber auch manche großen Geister der Zeit zur Abwehr ver-

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