Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 55)
- Language
- German, English, Hebrew
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52 /. Kottgrefi-Sitzung: Referat über die Lage der Juden. der Friede eine Existenzbedingung für das jüdische Volk. Kein Volk auf Erden hat mehr als das jüdische unter den Greueln des Krieges gelitten. Kein Volk auf Erden hat von altersher so tief wie das jüdische die Wahrheit erfaßt, daß der Krieg nicht nur ein Massenmord, sondern auch ein Massenselbstmord ist. Besonders ist der Krieg ein katastrophales Greuel für ein Volk, das den Wiederaufbau seines Stammlandes begonnen hat. Ein solches Volk sind wir. Das alte Europa liegt in Trümmern. Wir stehen an der Schwelle eines neuen Zeitalters, einer neuen Epoche der Menschheit. Dieses neue Zeitalter kann ein besseres werden und muß ein besseres werden, -wenn die Gutgesinnten aller Völker es wollen und dafür arbeiten, in der sicheren Ueherzeugung, daß der Gedanke des Friedens und de» Verständigung siegen muß, wenn nicht Europa untergehen soll. Die Ge danken der Aechtung und Brandmarkung des Krieges, der Abrüstung der friedlichen Beilegung aller Streitpunkte, der Sammlung aller Völker in einer Gesellschaft gleichberechtigter Mitglieder werden, trotz man eher tiefen Enttäuschung, in der jüdischen öffentlichen Meinung meh als in irgendeiner anderen geschätzt. Wir glauben, daß dieser Weg de einzige ist, der zur Wohlfahrt aller Völker in Europa und auch y.w einer Besserung der Lage der jüdischen Bevölkerung der verschiedene:; Länder führt. WIE IST DAS FRIEDENSPROBLEM ZU LÖSEN: Wie steht es nun mit dem Frieden? Statt dieses Friedens haben wir den gefälschten „si vis pacem, para bellum4,-Frieden, der ja zum letzten 'Kriege geführt hat. Die alte Phrase ist eine Lüge: die richtige Forme' ist: „si vis pacem, para pacem". Wir Juden erwarten einen Frieden, de: zerstörte Freundschaftsbande erneuert und neue Verbindungen zwischen Nationen anknüpft, der die Härte der Feindseligkeit und des Hassein Güte, Versöhnung und in gegenseitiges Wohlwollen umwandelt. Nu' ein solcher Friede kann die Geister beruhigen und Vertrauen einflößen. Dazu gehört gegenseitige Duldung der verschiedenen Rassen und rel' giöse Eintracht. Sind die Rüstungen, die Abmachungen, die vagen For mein diplomatisierender Vermittler der von der Menschheit gewollte Friede, der die Krankheit unserer Zeit zu heilen unternimmt? Anstat eines freien, mächtigen Völkerbundes, der die Autorität und die Kraft haben soll, Frieden zu stiften und notwendigenfalls zu gebieten, sind wir zurückgesunken in die alte Politik der Gleichgewichtskombinatio nen. Die echte Liebe zum wahren Frieden gibt sich nur in der unerschrockenen, unentwegten Verkündigung der Wahrheit, unter Hintan Haltung aller Rücksichten und Interessen, der reinen Wahrheit kund. Beschützet doch zunächst durch den Frieden, der in dieser sündigen und schmerzensreichen Welt in Worten überall ausgerufen wird, das Recht der Menschen auf ihr Leben, ihre Arbeit, ihre Ehre! Wir sind doch nicht lauter Kabinettsminister und Armeen. Wir sind doch vor allem Menschen und wir bedürfen doch eines Schutzes des Friedens.