Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 54)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokoloiv 51 DIE JUDEN IN DEUTSCHLAND. DIE UNPOLITISCHEN PROBLEME. Im Vordergrund des Interesses steht immer noch die schwerbedrängte Judenheit in Deutschland. Die Bekämpfung des Judentums in Deutschland ist nicht im Abflauen, sondern im Fortschreiten begriffen. Deutschland ist der Hauptherd der antisemitischen Bewegung. Die Fundamente des Jahrtausende alten deutschen Judentums sind wie von einem Erdbeben erschüttert und unterwühlt. Nun liegt uns absolut der Gedanke fern, den Zionistenkongreß mit deutscher, französischer, englischer oder irgend einer fremd-nationalen Politik beschäf- Jtigen zu wollen. Der Zionismus denkt nicht daran, als solcher zur internationalen Politik Stellung zu nehmen oder die inneren Angelegenheiten eines Staates zu kritisieren. Die Güter, um die der Zionismus ringt und die er als jüdische Renaissancebewegung zu pflegen hat, sind von ewig-dauerndem und darum viel zu hohem Werte, als daß sie als Einsatz beim Würfelspiel einer fremden Tagespolitik zur Erzielung eines vorübergehenden Vorteils mißbraucht werden dürften. Der Zionismus hat seine eigene, nach innen gerichtete Kulturpolitik wesentlich in Ercz-Israel. Jeder einzelne in der Bewegung, die von uns geleitet wird, möge seiner eigenen Ueberzeugung nach für diese oder jene Konjunktur in der Weltpolitik eintreten. Die Orientierung über solche Stellungnahme ist überhaupt schwierig geworden; denn die europäische Politik wechselt heutzutage ihre Bündnisformen in verwirrendem Tempo. Die Feinde von gestern sind heute intime Freunde, um morgen wieder Feinde zu werden. „Ein Rad geht in der Welt herum, was gestern oben war, ist heute unten.4' Wir hätten also gar keine Veranlassung, uns auf einem Zionistenkongreß, mit allgemeiner oder deutscher Politik zu befassen. In Verbindung mit der Gegenwartslage interessieren uns hier nur zwei Momente apolitischer Natur. Das erste ist der ersehnte Weltfriede, das zweite die Kampagne des deutschen Antisemitismus gegen die Juden Deutschlands und gegen das Judentum der Welt. DIE FRIEDENSBESTREBUNGEN DER MENSCHHEIT. Das Friedensideal ist theoretisch und praktisch auch ein jüdischzionistisches Ideal. Jahrtausende, bevor noch ein Schatten der 66 Staaten existierte, die heute den Völkerbund bilden, hat das Judentum von Zion aus die Idee des Völkerbundes, hat unser Prophet Jeschajahu den feierlichsten Protest gegen den Krieg und einen von heiligem Pathos durchglühten Appell für den Frieden an eine Welt gerichtet, die genau wie die heutige gerüstet und kriegsbereit dastand. Das war keine Vision, sondern eine Botschaft.- Zur Zeit des zweiten Tempels wurde diese Botschaft von der Großen Synode zu einem Programm, ja, zu einem Volksgebet für die größte Andacht am Neujahrsfeste geweiht. Durch Vermittlung des frühen Christentums hat diese Friedensidee auch auf die Heiden des Altertums Eindruck gemacht. Aber nicht nur als Gefühlswert, sondern auch als Lebensinteresse ist