Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 19 (1937) Luzern, 20. August bis 6. September 1935
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 53)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476292--9094-3485245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
50 /. Kongreß-Sitzung: Referat über die Luge der Jude??. Der Oberrabbiner von Erez Israel, Rabbi Kuk, endlich begrüßte den Kongreß mit folgendem Telegramm: . Laßt uns unser Bani>er im Nam-en von ganz Israel rrhrbon, und der Heilijo wird uns Hilfe sein. Abraham Jizehak Hakohen Kuk. REFERAT ÜBER DIE LAGE DES JÜDISCHEN VOLKES UND DER ZIONISMUS. PRÄSIDENT DR. NAHUM SOKOLOW (spricht hebräisch): Die Er fahrungen der letzten Jahre haben uns die Mahnung jenes römischen Philosophen, „sich über nichts wundern44, oft genug beherzigen gelehr:. Dennoch entbehren sie nicht gewisser origineller Züge neueren Datums, die manches Erstaunen wachrufen. Die Entziehung der bürgerlichen Gleichberechtigung für eine jüdische Minderheit, die seit hundert Jahren emanzipiert war, verbunden mit einer schrankenlosen antisemitischen Propaganda — darauf konnte man nicht nu£ nicht gefaßt sein, man hätte eine solche Art von unaufhörlichen Angriffen, auch noch vor zwei Jahren, für unmöglich halten müssen. Der einzige Lichtstrahl in dieser Nacht der Leiden war die Tatsache, daß die Glieder unseres Volkes einander wie Brüder treu z;t Seite standen, einander, ob nah, ob fern, wo immer die Not hereinbrach, die Bruderhand zur Hilfe und zum Beistand boten und, wie gleich jetzt gesagt werden soll, die grandiose Entwicklung unseres Nationalheims, in dem der Jude als freier Mensch mit einem neuen Volksbewußtsein aufwächst. Solche Erfahrungen schärfen das Selbstbewußtsein und verleihen all dem, was im menschlichen Wesen als ein unterscheidendes Merkmal auftritt, frische Spannkraft und Ausdauer. Wenn irgendein Einfluß tätig gewesen ist, der die Bande der Zusammengehörigkeit zwischen Juden und Juden immer fester miteinander verknüpfte und in jedem Einzelnen Teilnahme am Geschicke des Anderen hervorrief, so ist diese Teilnahme wohl geeignet, einen stillen aber wirksamen Protest gegen ein grausames Unrecht hervorzurufen. Leider müssen wir aber mit unseren Weisen sagen: — ^Merubbln xorebe amcha wedaatam kezara" — der Bedürfnisse, die der Befriedigung harren, sind so viele, daß die bessere Einsicht ganz gering ist und vor der Aufgabe zurückweicht. Ja, die letzten zwei Jahre haben auch früher nicht für möglich gehaltene Anforderungen an unser Volk gestellt. Lassen wir die wichtigsten Vorgänge schnell an uns vorüberziehen! Wir wollen uns dieses Mal besonders mit zwei wichtigen Teilen des jüdischen Volkes in Europa befassen, mit den Juden in Deutschland und mit den Juden in Polen. Das sind zwei ganz verschiedene Situationen, die nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Aber die Galuth-Lragödie hat gemeinsame Züge. Wir werden daher auch über das Problem in anderen Ländern kurz berichten. Wir beginnen jedoch zunächst mit unseren Brüdern in Deutschland.