Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 621 (sequence 623)
- Language
- German, English, Hebrew
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Goldmann, Stein 621 uns prinzipielle Unterschiede trennen, ist leider der größte Teil des jüdischen Volkes weder für uns noch gegen uns. Mit unseren Feinden könnten wir fertig werden, Gott schütze uns aber vor dieser über alles erhabenen tötenden Gleichgültigkeit. Nur dann könnten wir ihr entgegentreten, wenn wir wirklich miteinander verbunden wären und nicht nur einmal in zwei Jahren zusammenkämen, um wieder nach Hause zu gehen. Die Sache Palästinas ist zu heilig für solche nutzlose Experimente. Mit der Phrase, daß es keinen Unterschied gibt zwischen Zionisten und Nichtzionisten, muß endlich einmal aufgeräumt werden. Es gibt tiefgehende, kluftmäßige Unterschiede und es ist Zeit, sich zu besinnen, wohin man gehört. Jeder einzelne hat zu erklären, ob er mit dieser milden Form zionistischer Auffassung, wie sie der nichtzionistische Teil der Jewish Agency vertritt, einverstanden ist oder nicht. Dadurch, daß er sich uns anschließt, wird er noch nicht organisierter Zionist, doch heute, wo die jüdische Frage so brennend ist wie z. B. in Deutschland, heute muß sich jeder zu der Sache bekennen. Die Zionisten berufen sich auf ihre halbe Million Wähler, während wir mit einer gewissen Berechtigung behaupten, daß hinter uns Millionen stehen. Damit haben wir aber nichts erreicht. Mich z. B. haben 66 slovakische Gemeinden hierher geschickt, aber nicht einen Mann kann ich darunter finden, der mir seine Vollmacht dazu gegeben hätte, denn das sind keine zionistischen Organisationen, sondern darunter gibt es auch Gegner des zionistischen Gedankens. Der letzte kleine Lesezirkel hat ein Verzeichnis seiner Mitglieder, nur die große Palästinaidee schwebt in der Luft wie der Sarg Mohammeds. Wir müssen uns die Mühe nehmen und ein Verzeichnis aller jener anfertigen, die zu uns gehören. Denn wenn wir hieher entsandt worden wären von einer Wählerschar, dieser Saal würde mehr gefüllt sein und die Agency würde anders aussehen. Wir brauchen auch eine genaue Arbeitsordnung. Ein Council, der einmal in zwei Jahren zusammentritt, ist unnötig. Administrativkomitee und Exekutive können dasselbe tun und wir werden wenigstens unser Gewissen von der großen Lüge befreit haben, daß es hier ein Weltparlament gibt, das eigentlich nicht existiert. Unsere Organisation besteht nur aus losen Gruppen, die nichts von einander wissen. Das muß aufhören. Wir müssen wissen, wer unsere Wähler sind, dann werden wir auch wissen, was diese Wähler wollen, und auch die Wege finden, diesen Willen zu verwirklichen. Die jetzige Zeit mit ihrer Bereitschaft der Seelen, sich dem Zionismus anzuschließen, jetzt nicht auszunützen, wäre ein großer Fehler. Wer sich heute nicht zu uns bekennt, der möge es vor Gott und seinem Gewissen verantworten, daß er in einer Zeit, da die Lage des jüdischen Volkes sich ins Tragische gesteigert hat, sich dieser Sache nicht angeschlossen hat (Beifall). MORRIS ROTHENBERG (Amerika — spricht englisch): Ich bedaure, daß diese wichtige Diskussion so spät erfolgt, aber es ist unbedingt notwendig, die Auffassungen über die Fragen der Reorganisie-