Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 611 (sequence 613)
- Language
- German, English, Hebrew
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611 Vierte Councilsitzung. Freitag, 1. September 1933, nachmittags. Beginn der Sitzung 15 Uhr 30 Min. Vorsitz: Professor Herbert Speyer. BARON BERTALAN VON HATVANY (Ungarn — spricht englisch): leb möchte eine Anfrage stellen. Wir haben gehört, daß 5000 bis 6000 deutsche Juden nach Palästina gekommen sind und daß noch etwa 6000 erwartet werden. Ich frage nun an, ob schon etwas geschehen ist, um diese 6000 deutschen Juden dem jüdischen nationalen Leben in Palästina einzuverleiben. Es ist sehr wichtig, diesen Punkt in Betracht zu ziehen, denn wenn 12.000 deutsche Juden sich dort nicht einverleiben lassen, dann besteht die Gefahr, daß sie dort germanisierend wirken. Darum möchte ich wissen, ob etwas geschehen ist, um diese Juden zu hebraisieren. Diese Frage ist nicht nur für die Zionisten, sondern auch für uns Nichtzionisten, die als Mitglieder von nicht jüdischen Nationen am Aufbau der jüdischen Nation mitarbeiten, von Interesse. Dr. WERNER SENATOR (Mitgl. d. Ex. — spricht englisch): Die wichtige Frage, die Baron Hatvany soeben gestellt hat, ist die gleiche wie die vor etwa fünf Jahren aktuell gewesene bezüglich der polnischen Juiden. Sowohl die allgemeine Organisation in Palästina als auch die Vereinigungen deutscher Juden haben Schritte unternommen, um der Gefahr zu begegnen, auf welche er anspielt. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß tatsächlich in dieser Beziehung keine Gefahr besteht. Die Kinder treten in die allgemeinen Schulen ein und werden sprachlich und in Bezug auf ihre Lebensführung rasch assimiliert. Die Schulen sind ein wichtiger Faktor für die Hebraisierung der Kinder und infolgedessen auch ihrer Eltern. Die deutschen Juden haben auch schon vor dem Zeitpunkt ihrer Auswanderung den dringenden Wunsch, hebräisch zu lernen, und das Studium der Sprache verbreitet sich dort rasch, selbst unter Leuten, die über dreißig Jahre alt sind und in freien Berufen gestanden haben. ZVI SHECHTERMAN (Erez Israel — spricht jüdisch): Der Kongreß, der schon elf Tage dauert, beschäftigt sich mit gegenseitiger Kritik. Jeder der Flügel bezichtigt die gegnerische Seite der Schuld an all dem Unglück, das uns getroffen hat. So kam es, daß auf diesem Kongreß dk zwei wichtigsten Katastrophen, die die Bemühungen des jüdischen Volkes, in sein Heimatland zurückzukehren, vereiteln, fast nicht berücksichtigt wurden. Wir sind schon an allerlei Katastrophen, Verhängnisse und Verleumdungen gewöhnt (Passfield, French usw.). Aber all diese Katastrophen und Verhängnisse haben uns bis nun nur verwundet; jetzt will man unsere Bewegung mit einem Schlag töten. Unsere Rückkehr nach Zion basiert auf zwei Grundlagen: Alija und 39*