Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 609 (sequence 611)
- Language
- German, English, Hebrew
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Grabscheid, Anhauch, Muschkat 609 fast nichts geleistet haben. Dies muß geändert werden. Im Kongreß hat man den Council der Jewish Agency angegriffen; die Schuld liegt aber doch beim Weltjudentum. Ich will etwas an dem Aufbau des Keren Hajessod kritisieren. Der Keren Kayemeth hat sehr viel geleistet. Wir verdanken besonders viel seinem Präsidenten, Herrn Ussischkin. Doch liegt eine Schwierigkeit darin, daß der Keren Kayemeth auch den geringsten Betrag in Empfang nehmen darf, wodurch der Spender schon zu einem Mitglied des Keren Kayemeth wird, während der Keren Hajessod von einem Zeichner nicht weniger als ein Pfund jährlich entgegennehmen darf. Das macht es uns unmöglich, das Gesamt judentum zu erfassen. Ich habe dies schon dem Vorsitzenden des Keren Hajessod, Herrn Oskar Wassermann, den wir leider hier vermissen müssen und auf dessen Bitte hin ich den Vorsitz des Keren Hajessod in unserem Lande übernommen habe, seinerzeit gesagt: Es gibt viele gute Juden, die gern für Erez Israel spenden würden, die aber nicht imstande sind, einen Jahresbeitrag von auch nur einem Pfund jährlich zu leisten. Ich will nun Folgendes konstatieren: es ist uns in diesem so kritischen Jahre gelungen, in unserem Lande die Zeichnerzahl von 400 auf 1000 zu bringen, und ich muß feststellen, daß fast 62 0/0 dieser Zeichner Nichtzionisten sind. Aber jeder, der für den Keren Hajessod zahlt und zum Aufbau Palästinas beiträgt, ist Zionist. Es muß ein Abkommen zwischen Keren Kayemeth und Keren Hajessod geschaffen werden, wonach der Keren Kayemeth seine Sammlungen wie bisher weiterführen soll, aber auch der Keren Hajessod geringere Beträge als ein Pfund entgegennehmen darf. So werden wir die Massen erfassen, werden Millionen Zeichner haben, werden mehr Geld bekommen und Palästina aufbauen. S. M. MUSCHKAT (Lettland — spricht deutsch): Ich komme aus den baltischen Staaten. Wenn irgendwo die Gleichberechtigung der Juden gesichert war, so in diesen Randstaaten, wo die Völker, die unter der russischen Herrschaft auch selbst in ihren Rechten beschränkt waren, nach dem Zusammenbruch des russischen Reiches den Juden nicht nur Gleichberechtigung, sondern volle Autonomie gaben. Heute aber ist die Lage bei uns noch schlechter als in Deutschland, über das das Unglück plötzlich hereingebrochen ist, so daß man es mehr merkt als bei uns. Aber 85 Prozent der jüdischen Bevölkerung dieser Länder sind notleidend, und trotz der bürgerlichen Vollberechtigung finden wir kaum ein Promille Juden unter den staatlichen und Kommunalbeamten. Monopole und Kooperativen rauben den Juden die letzte Möglichkeit des Handels, wir sind in die letzte Position verdrängt. Und jede Gleichberechtigung ist vergebens, wenn wir nicht auf einem geschlossenen Gebiete in allen ökonomischen Schichten vertreten sein werden. Juden sind überall in der Minderheit und werden daher überall verdrängt. Ich begreife es, daß wir um Gleichberechtigung kämpfen müssen, wir werden sie aber nur verwirklichen können, wenn wir den Prozentsatz der Juden in den einzelnen Ländern vermindern, und das können wir nur durch eine starke Auswanderung der Jugend nach Palästina. Wir 39