Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 606 (sequence 608)
- Language
- German, English, Hebrew
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606 j. Councilsitzung: Generaldebatte Tagesordnung hätte gestern der Bericht über Organisations- und Abänderungsvorschläge erstattet werden und heute eine Diskussion darüber stattfinden sollen. Es würde mich interessieren, wann der Bericht erstattet wird. VORS. PROF. SPEYER: Diese Angelegenheit werden wir besser bis nachmittags verschieben. Dr. IGNAZ FRIEDMANN (Ungarn — spricht deutsch): Ich muß mich zunächst entschuldigen, daß ich nicht in der Sprache unserer Erzväter spreche.;Das ist nicht allein meine eigene Schuld, sondern die Schuld der bisherigen Erziehung, die mit Assimilation identisch war. Auch der ungarischen Sprache, meiner Muttersprache, bediene ich mich nicht, obwohl ich hier als Vertreter des ungarischen Pro Palästina-Komitees weile, »denn die Mehrheit versteht sie nicht. Es ist falsch, wenn wir heute die deutsche Sprache ganz beiseite schieben wollen. Die deutsche Kultur hat nichts damit zu tun, was heute in Deutschland geschieht. Wir haben hier einen politischen Bericht von Präsident Sokolow und Professor Brodetsky gehört. Herr Sokolow sagte, er begreife es nicht, warum die Juden heute schlechter behandelt werden; seien sie denn ärger geworden als zur Zeit der Emanzipation? Nun, es ist gleichgültig, ob wir ärger sind oder besser. Es ist der Neid der Völker, daß die Juden immer unter allen Bedingungen den Völkern das Beste hergeben. Mein Vorredner bezeichnet Palästina als Panazee, als die Lösung der Judenfrage. Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, Wir können nicht alle Juden in Palästina unterbringen. Wir müssen ihnen auch hier in den Ländern, wo sie wohnen, zur Seite stehen, und das ist hauptsächlich die Pflicht jener, die der Zionistischen Organisation nicht angehören. Denn Zionisten sind wir ja im Grunde alle, in dem Sinne, daß wir Zion aufbauen wollen, denn: Mizion teze Thora... Zion ist unser Heiligtum. Das nationalistische Moment hervorzuheben, ist besonders heute ganz zwecklos. Aber die Erörterung dieser Fragen würde ins Uferlose führen. Wir, die wir im Pro Palästina-Bund vereinigt sind, treten schon deshalb nicht ganz offen und offiziell der Zionistischen Organisation bei, weil wir der Ansicht sind, daß wir so vermöge unserer Verbindungen und Beziehungen mehr helfen können, als wenn wir das nationale Problem aufrollten. Nun zur Sache selbst: Das Schulreferat, das wir gehört haben, ist leider sehr traurig. Es konnte infolge der Krise nicht anders ausfallen. Auf eines möchte ich aber aufmerksam machen: Wenn schon die Agency die Schulen der Knesseth Israel übergeben hat, so muß sie sich unbedingt das Kontrollrecht vorbehalten. Ich spreche aus Erfahrung. Wir hatten in Ungarn eine Institution, die heute aufgelöst ist — ich selbst gehörte ihr als maßgebendes Mitglied an — die verschiedene Anstalten ins Leben rief. Die Leitung übergaben wir Außenstehenden. Heute können wir leider in diesen Anstalten und Spitälern kaum einen Juden unterbringen, obwohl sie größtenteils mit jüdischem Kapital geschaffen wurden.