Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 587 (sequence 589)
- Language
- German, English, Hebrew
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587 Zweite Councilsitzung. Donnerstag, 31. August 1933, nachmittags. Beginn der Sitzung 16 Uhr. Vorsitz: Professor H. Speyer. Dr. JOSEF POPPER (Cechoslovakei — spricht deutsch): Im Namen des Legitimationsausschusses habe ich zu berichten, daß dieser Ausschuß die Beglaubigungsschreiben aller anwesenden Mitglieder sorgfältig geprüft und sie mit Ausnahme von Herrn Avissar, der als Vertreter des Waad Leumi erschienen ist, anerkannt hat. Der Waad Leumi hat in diesem Jahre neue Mitglieder für den Council der Jewish Agency gewählt und ihre Namen bekanntgegeben, doch befand sich der Name von Herrn Avissar nicht darunter. Daher beschloß der Legitimationsausschuß, daß dieses Mandat nicht anerkannt werden könne. Es sind insgesamt 57 Zionisten und 25 Nichtzionisten anwesend. DIE AUFGABE DER JEWISH AGENCY. Dr. NAHUM SOKOLOW (Präsident der Agency — spricht jüdisch): Ich möchte zunächst ein aufrichtiges Wort des Gedenkens an Professor Theodor Lessing sprechen (die Anwesenden erheben sich), der gestern in Marienbad politischem und Rassenhaß zum Opfer fiel. Er war noch vor zwei Tagen in unserer Mitte und zeigte tiefstes Interesse für unsere Bestrebungen und Arbeiten. Er war ein Philosoph und Literat, ein vornehmer Mann und ein Jude, der zu seinem Volk zurückkehrte; er wurde meuchlerisch durch einen politischen Mord getötet. Friede seinem Andenken! Wenn jemals das jüdische Volk Ursache hatte, zusammenzuhalten, so besteht diese Notwendigkeit heute sicherlich angesichts der Lage in Deutschland. Es ist unsere Pflicht, zusammenzuhalten und für unser Volk zu kämpfen. Das ist nicht nur ein Kampf für 600.000 deutsche Juden; der Qualität nach wiegen sie mehr als zehnmal 600.000 auf. Wir haben zwei religiöse Riten, den sefardischen und aschkenasischen, aber die sefardischen Juden leben nicht mehr in Sfarad (Spanien) und der sefardische Ritus existiert nur im Gebetbuche, während der aschkenasische Ritus in Deutschland (Aschkenas) bestehen blieb. Ich glaube, die deutschen Juden haben mehr als die Juden anderer Länder für die Judensache und das jüdische Volk, sowie für die jüdische Wirtschaft getan. Sie haben den Typus des emanzipierten Juden geschaffen. Das deutsche Judentum hat eine große historische Rolle gespielt. Das Reformjudentum in Amerika ist ein Produkt der eingewanderten deutschen Juden, die mit den amerikanischen Rabbinern zusammengearbeitet haben. In der großen Rede, die Nordau auf einem der ersten Kongresse hielt, sagte er, die Emanzipation der Juden sei in Zentraleuropa schwä-