Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 588 (sequence 590)
- Language
- German, English, Hebrew
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588 2. Councilsitzung: Aufgabe der Agency eher, weil sie nicht als ein Teil allgemeiner Rechte gegeben wurde; während die Juden in Frankreich ihre Emanzipation mit der Verkündigung der Menschenrechte erhielten, kämpften die Juden in Deutschland wie die in England, Oesterreich und anderen Ländern lange Zeit um die bürgerliche Gleichberechtigung und erlangten sie nur schrittweise. Gabriel Rießer kämpfte mit aller seiner Energie und seinem Talent um bürgerliche Gleichheit, erzielte aber keinen vollen Erfolg. Drei bis vier Generationen mußten weiter kämpfen und der Erfolg war noch immer nicht vollständig. Die Verfassung anerkannte sie wie zuvor, doch jetzt, nachdem sie im Weltkrieg gekämpft und Opfer gebracht hatten, wurden sie der früher erlangten Rechte beraubt. Ich glaube, Sie alle wünschen ebenso wie die Zionisten, ein Heim für die deutschen Juden in Palästina zu schaffen; daran müssen doch die Juden aller Länder in gleicher Weise interessiert sein. Im britischen Reich erwarben die Juden ihre Rechte durch den Entwicklungsprozeß und genießen alle bürgerlichen Rechte, und doch kann niemand sicher sein, daß sich der Antisemitismus nicht auch auf britisches Gebiet ausbreitet. Ich sage das, um Sie an Ihre Pflicht zu erinnern: Die deutschen Juden erwarten von Ihnen positive Leistungen. Zwar leben wir 'in einer Zeit der Krise, wir können aber nicht warten, bis die Krise vorüber ist, um unsere Arbeit fortzusetzen. Es besteht eine gewisse Enttäuschung über die Jewish Agency. Die Gründe dafür, daß sich die Jewish Agency nicht so entwickelt hat, wie wir es uns vorgestellt haben, kennen wir. Das jüdische Volk ist verarmt. Die Legende vom jüdischen Reichen ist eine antisemitische Legende. Es ist nicht nur die Armut, wir haben noch anderes Unglück gehabt, wir haben viele derjenigen verloren, die an der Spitze gestanden sind, vor allem Marshall. Andere werden diese Aufgabe auf sich nehmen müssen. Das Prinzip der Mitarbeit der Nichtzionisten am zionistischen Aufbauwerk ist aber nicht nur geschwächt worden, es ist auch andererseits bestätigt und verstärkt worden. Daß dieses Prinzip ein gutes ist, ist meine innerste Ueberzeugung. Das ganze jüdische Volk soll sich zu unserem Werk vereinen. Ich kann nicht sagen: es soll sich in der zionistischen Bewegung vereinen. Ich spreche mit Ihnen ganz offen. Vielleicht ist die Zeit noch nicht gekommen, vielleicht ist es überhaupt unmöglich, daß sich alle Juden in dieser Ideologie vereinigen. Und wir können nicht warten, bis dies eintritt. Wir sind in einer Notlage. Denn erstens, wenn wir lange warten, werden andere kommen, die unseren Platz in Erez Israel einnehmen; und zweitens, unser Volk stirbt vor Hunger. Die Lage der Juden in Deutschland ist bekannt. Man will die Juden zu Ghettobewohnern machen und die Tragödie liegt darin, daß dieses Ghetto nicht mehr existiert. In einer solchen Zeit kann man keine philosophischen Unterschiede machen und Menschen darum von der Arbeit ausschließen, weil sie eine andere Ideologie haben. Deshalb sage ich, der Gedanke der Zusammenarbeit mit den Nichtzionisten ist noch wahrer geworden, als er schon war. Was brauchen wir? Wir brauchen Freundschaft in der Welt. Wir