Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 522 (sequence 522)
- Language
- German, English, Hebrew
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522 ij. Kongreßsitzung: Wahl der Exekutive haben, die sich nicht an der Exekutive beteiligen, von sich ab, darunter den Misrachi, den Vertreter des orthodoxen Judentums, den man von der Teilnahme an der Arbeit und von der Verantwortung für alles, was in dieser Zeit geschehen wird, ferngehalten hat. Die große Sünde der Gewaltherrschaft und der Usurpation liegt auf der Linken, die die größte Partei auf diesem Kongreß ist und mit einer kleinen Mehrheit nicht davor zurückschreckt, die Verantwortung für die zionistische Tätigkeit auf sich zu nehmen trotz des energischen Protestes aller jener, die gegen diese Wahl sind. Der Misrachi erklärt hiemit, daß er kein Vertrauen zu dieser Exekutive hat und die Verantwortung für ihre Tätigkeit und deren Folgen ablehnt. BERL KATZNELSON (Arb., Erez Israel): Ich erkläre namens der Arbeiterpartei: Es wurde hier gegen uns die schwere Beschuldigung erhoben, daß wir in diesen Kongreß Feindschaft gebracht und nicht den Weg gesucht hätten, auf einer möglichst breiten Plattform alle zu vereinigen. Es muß hier festgestellt werden, daß wir in all diesen Tagen die größten Anstrengungen gemacht haben, die Mehrheit des Kongresses unter ein Dach zu bringen. Die religiösen Forderungen, die hier plötzlich aufgestellt worden sind, beweisen, wie ernst es uns darum zu tun war, den Kongreß zu vereinigen. Noch vor einigen Stunden hat mir ein prominenter Misrachist erklärt, daß es nicht angezeigt sei, diese Fragen im Plenum zu behandeln. Ich erklärte ihm darauf, daß wir bereit seien, diese Forderungen zu behandeln, unter denen sich gewiß manche befanden, wie z. B. die politische Forderung an die Regierung, dem jüdischen Arbeiter den Sabbath freizugeben, auf die sich der ganze Kongreß geeinigt hätte. Wir waren bereit, diese Forderungen anzunehmen, ohne aber unsere Begriffe von Freiheit im Denken und Tun in der Zionistischen Organisation zu beeinträchtigen. Nach diesem Gespräch kam derselbe Vertreter des Misrachi zu mir und statt weiter zu verhandeln, sprach er in sehr kategorischer Form von einem Mitglied der Exekutive (Hört, hört!) und erklärte, daß alle Verhandlungen daran scheitern werden, daß wir iauf einer gewissen Person beharren. Wenn daher auf diesem Kongreß keine breite Koalition geschaffen werden kann, so liegt die Schuld dafür nicht bei uns, sondern in diesem unfruchtbaren Personenstreit (Beifall). Dr. SCHIMSCHON JUNICZMAN (Rev., Polen): Namens der Union der Zionisten-Revisionisten habe ich folgende Erklärung abzugeben: Für uns ist dieser Kongreß und sein Ergebnis keine Überraschung. Wir wissen ganz gut, welchen Methoden große Teile dieses Kongresses ihre Mandate verdanken, wir wußten, daß dieser Kongreß nicht das Interesse der verarmten jüdischen Massen vertreten wird (Heiterkeit). Und wie der Kongreß aussah, so wird auch seine Exekutive aussehen. Dieser Exekutive, die nicht für das Wohl des ganzen jüdischen Volkes arbeiten wird, sondern nur für eine Klasse, dieser Exekutive, die die Not des jüdischen Kaufmanns und Handwerkers, die Not von 90 Prozent des jüdischen Volkes nicht sehen will, dieser Exekutive sagen wir unseren schärfsten Kampf an. Wir lehnen die Verantwortung für ihre Arbeit ab, nicht aber die Verantwortung für die Zukunft des jüdischen Volkes, für die Lösung der Judenfrage, für den Großzionismus Herzls und Nordaus. Wir halten den Puls der jüdischen Volksmassen in unserer Hand (Heiterkeit). Weil die Exekutive nicht für diesen Großzionismus arbeiten wird, nehmen wir den Kampf für diesen Zionismus auf uns, den Kampf für den Judenstaat auf beiden Seiten des Jordan, den wir führen werden bis zum vollkommenen Siege (Beifall).