Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 502 (sequence 502)
- Language
- German, English, Hebrew
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502 zj. Kongreßsitzung: Bericht der Politischen Kommission bestätigt wurde. Es ist höchste Zeit, daß im dreißigsten Jahr, zu den „Scheloschim", der letzte Wille unseres Führers ausgeführt wird, sowohl mit Rücksicht auf ihn, wie auf Erez Israel, aber auch unter Berücksichtigung der jetzigen Zustände in Oesterreich. - Noch eine andere, uns seit Jahren beschäftigende schmerzvolle Frage war Gegenstand der Beratungen der politischen Kommission, In Sowjetrußland wird noch immer wie seit Jahren ein erbitterter Kampf gegen Zionismus, nationales Judentum, hebräische Sprache und jüdische Religion geführt. Die Sowjetbehörden wollen jeden Versuch der Pflege unserer Idee sofort im Keime ersticken. Unseren Gesinnungsgenossen, der aufopferungsvollen zionistischen Jugend, die unter schweren Gefahren für unser Ideal arbeitet, jeden Augenblick der Verhaftung und der Verschickung gewärtig, senden wir unseren herzlichen Brudergruß. Durch unsagbare Härten des Gefängnisses und der Verbannung werden unsere Brüder oft zu Verzweiflungstaten getrieben. Wir sehen uns gezwungen, von dieser Tribüne aus in feierlicher Weise die gesittete Welt anzurufen. Zugleich mögen unsere Brüder die Versicherung entgegennehmen, daß wir ihrer nicht vergessen (Lebhafter Betfall). Der Kongreß nimmt sodann folgende, von der Politischen Kommission vorgelegten Resolutionen an: I. Die Katastrophe, welche die Juden in Deutschland betroffen hat, hat aufs neue gezeigt, daß die Judenfrage eine der brennendsten Weltfragen darstellt und zurzeit mehr als je zur Lösung drängt. Die in einem solchen Ausmaß im 20. Jahrhundert unvorstellbare Entrechtung und Bedrohung der ökonomischen Existenz einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinschaften der Welt zeigen aufs neue, daß Zionismus und Palästina die grundlegende Lösung der Judenfrage bedeuten. In einer Zeit, in der alle Staaten und insbesondere die bisherigen Immigrationsländer leider eine weitere Einwanderung fast ausschließen, bleibt Erez Israel das einzige Einwanderungsland für eine größere jüdische Einwanderung und bewahrt damit das jüdische Volk vor gänzlicher Hoffnungslosigkeit. Die Absorbierung zehntausender jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland, die heute planlos die Länder Mittel- und Westeuropas aufsuchen, ist zu einem internationalen Problem geworden, dessen Lösung durch den beschleunigten Aufbau des Jüdischen Nationalheimes in Palästina heute nicht nur im Interesse der Juden, sondern auch im Interesse der Welt liegt. Daher müssen die Tore Palästinas weit geöffnet werden für die jüdische Einwanderung, die ihrerseits dazu beitragen wird, die Aufnahmefähigkeit des Landes in fortschreitendem Maße zu vergrößern. II. Angesichts der gegenwärtigen Notlage, durch die große Massen zürn Verlassen Deutschlands gezwungener Juden heimatlos werden, wendet sich der Kongreß an die Regierung der Mandatarmacht mit einem besonderen Appell, der größtmöglichen Anzahl dieser Auswanderer die Einwanderung nach Palästina zu erleichtern. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, das Tatsachenmaterial betreffend die gegenwärtige Lage der Juden dem Völkerbund zu unterbreiten, zwecks Aufstellung eines Planes einer internationalen Aktion für die Ansiedlung von Juden in Palästina entsprechend früheren, vom Völkerbund vorgenommenen Aktionen für die Repatriierung von Flüchtlingsmassen. In Anbetracht des besonderen Interesses, das die Vereinigten Staaten Amerikas für die Lage des jüdischen Volkes und den Fortschritt des Jüdischen Nationatheimes wiederholt bekundet haben, und unter Bezugnahme auf den Vertrag, der zwischen den Vereinigten Staaten und der Mandatarmacht über Palästina geschlossen wurde,