Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 454 (sequence 454)
- Language
- German, English, Hebrew
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i6. Kongreßsitzung: Bericht der Organisationskommission soll. Er überläßt das der Zeit des Messias. Aber ein Zionist darf nie etwas bis zur messianischen Zeit aufschieben. Das ist doch eben der Grundgedanke des Zionismus. Es kommen jetzt Massen zum Zionismus und der Zionistenkongreß muß die Möglichkeit schaffen, daß sie wirklich zum Zionismus kommen können. Es gibt wohl heute Landesverbände, aber diese repräsentieren nur eine enge Partei, die zwar keine Prinzipien und keine Ideologie besitzt, in Wirklichkeit aber alles von einem engen Parteistandpunkt aus ansieht. Ein Zionist oder ein Jude, der keiner Partei angehören will, aber doch für den Zionismus ist, weiß jetzt nicht, wohin er gehen soll. Herr Dr. Schwarzbart schlägt vor, daß wir uns die Sache noch gründlich überlegen und sie vor den nächsten Kongreß bringen. Die Frage des Territorialverbandes stand aber doch schon vor dem XV., XVI. und XVII. Kongreß. Man hat diese Frage immer bis zum Kongreßschluß aufgeschoben (Zwischenrufe Allgemeiner Zionisten, besonders von Dr. Wirklich. VORS. PRÄS. MOTZKIN ruft ihn zum zweitenmal zur Ordnung). Gestern habt Ihr einen Beschluß über Disziplin angenommen; jetzt erklärt Ihr, Ihr werdet den hier anzunehmenden Beschluß nicht ausführen. Man sagt, wir wollten einen Beschluß mit Gewalt durchsetzen. Gerade wir waren aber doch immer diejenigen, die verstanden haben, daß man in einer Bewegung wie der zionistischen, die auf Freiheit aufgebaut ist, mit Gewalt keine Beschlüsse ausführen kann. Glaubt Ihr aber, daß eine Minorität, entschlossen zur Sabotage, die Majorität zwingen kann, sich der Minorität unterzuordnen? Glaubt Ihr, daß die Minorität gegenüber der Majorität privilegiert ist? Man muß eine tatkräftige und schöpferische Organisation schaffen, in der Gedanken- und Ideen-Freiheit besteht, die aber von der Pflicht gemeinsamer Leistung und von gemeinsamer Verantwortung für das Schicksal des Zionismus durchdrungen ist. MORRIS ROTHENBERG (Allg., Amerika — spricht englisch): Meiner Ansicht nach ist mit dem Antrag des Organisationskomitees, einen Territorialverband zu errichten, das Schicksal der Zionistischen Organisation verknüpft. Nach der Diskussion, die schon stattgefunden hat, ist es ganz klar, daß der Vorschlag dahin geht, daß der Territorialverband die Arbeit des Keren Hajessod, des Keren Kayemeth, den Verkauf des Schekels übernehmen soll, ferner die Kongreßwahlen und alle anderen wichtigen zionistischen Arbeiten. Wer wird sich also, wenn erst der Territorial verband begründet ist, noch veranlaßt fühlen, Mitglied irgend eines zionistischen Verbandes zu werden? Ein Schekelzahler wird alle Rechte eines Zionisten genießen, ja sogar mehr Rechte. Ich weiß nicht, ob für die europäischen Länder ein solcher Plan erwünscht ist, ich zweifle sehr daran; jedenfalls ist er für die zionistische Arbeit in Amerika außerordentlich gefährlich. Wir haben in den Vereinigten Staaten sehr wenig Schekelzahler, die nicht der Zionistischen Organisation und verwandten Körperschaften wie der „Hadassah", dem Orden „Sons of Zion", angehören. Die Mit-