Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 452 (sequence 452)
- Language
- German, English, Hebrew
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452 i6. Ko7tgreßsitzung: Bericht der Organisationskommission Dr. SIMON FEDERBUSCH (Misr., Polen): Ich zweifle sehr, ob es einen Sinn hat, hier an Verstandesargumente zu appellieren. Wir haben bei der letzten Abstimmung gesehen, daß es eine bestimmte Majorität gibt, die sich allen Reden und Ueberzeugungsversuchen verschließt. Trotzdem will ich vor der Annahme des Vorschlages warnen. Das hier vorgebrachte Projekt bedeutet nicht nur einen Versuch zum Umbau der Zionistischen Organisation; es ist eine Aenderung der Grundlagen der zionistischen Bewegung. Wir haben bis zur letzten Zeit die Zionistische Organisation auf Grund von ideologischen Gruppen aufgebaut. Durch das Projekt will man uns in eine Organisation zwingen, die auf Landesverbänden begründet ist. Aus dem Zufall, daß wir in verschiedenen Ländern leben, aus dem, was der Zionismus eben überwinden will, will man ein Prinzip der Zionistischen Organisation machen. Die Frage der Territorial verbände ist keine neue. Es gab solche Versuche schon in verschiedenen Ländern. So wurde ein solcher Verband in Litauen gegründet. Trotz des guten Willens der Teilnehmer ist der Versuch mißlungen und nach einigen Monaten wurde der Verband durch die Gegensätze der verschiedenen Parteien in die Luft gesprengt. Alle Aufgaben, «die wir in den Tätigkeitsbereich der Landesverbände einbeziehen wollen, werden schon von gemeinsamen Kommissionen durchgeführt, so z. B. die Arbeit des Keren Hajessod, des Keren Kayemeth, die Alija usw. Anstatt daß die einzelnen Kommissionen sich mit den praktischen Fragen befassen (und bei Besprechung von praktischen Fragen passiert es manchmal, daß Parteigegensätze verwischt werden), wird ein Territorial verband gegründet werden, der sich nicht mit praktischen Fragen, sondern mit ideologischen Diskussionen befassen wird, und das wird die Beziehungen zwischen den Parteien verschärfen und die Zusammenarbeit noch mehr unmöglich machen. Nun zur Frage der Wahlen. Bisher gab es alle zwei Jahre Wahlen zum Zionistenkongreß. Jetzt will man alljährliche Wahlen zum Territorialverband einführen. Wir stehen jetzt kurz nach den Wahlen und wir haben gesehen, was dies bedeutet. Leider sind die Wahlen zum Zionistenkongreß keine Erziehungsarbeit, wie es sein sollte, sondern eine Quelle für Reibungen und Hetzereien unter den Parteien. Wenn es nun bisher möglich war, daß man in der Zwischenzeit von Kongreß zu Kongreß einige Zeit ruhig atmen und zionistisch konstruktiv arbeiten konnte, werden jetzt alljährliche Wahlen eingeführt und die Arbeit noch mehr erschwert werden. Es ist sonderbar, daß gerade die linke Fraktion, die immer darüber wachte, daß in der Zionistischen Organisation die ideologischen Gruppen zum Ausdruck kommen, sich jetzt so eifrig für Territorialverbände einsetzt. Man will dadurch nicht die Zionistische Organisation stärken, sondern es handelt sich um eine Frage der Macht. Obzwar hier die Linken fast die Mehrheit haben, ist doch das Bild in den Ländern ein ganz anderes. In den jüdischen Zentren sind die linken Parteien noch nicht die maßgebenden im realen jüdischen und zionistischen Leben. Das haben wir bei verschiedenen Wahlen zu den Gemeinden und Parlamenten gesehen. Hier habt Ihr nur durch Wahl-