Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 413)
- Language
- German, English, Hebrew
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Lewinsohn 413 und wir haben nichts außer ein paar Wochenschriften und der Parteiliteratur, die trotz ihrer großen erzieherischen Bedeutung doch nicht den Plate der allgemeinen hebräischen Literatur einnehmen kann. Das hebräische Buch wird nicht gekauft, es fehlt eine zentrale Institution, die sich mit seiner Verbreitung befassen müßte, und die mißlungenen Versuche auf diesem Gebiet haben jede Aussicht auf Besserung unterbunden. Das hebräische Verlagswesen liegt darnieder; außer liturgischen Büchern und einzelnen literarischen Erscheinungen, wird kein neues Buch gedruckt. Auch die jüdische Kunst steht vor der absoluten Liquidierung aller so gelungenen Versuche der Chaluzim unserer jungen Kunst. In Polen besteht heute ein künstlerisches Studio unter Leitung hervorragender polnischer Bühnenkünstler, das offizielle hebräische Studio des polnischen Künstlertheaters „Reduta". Daneben gibt es auch ein dramatisches Studio in Lodz. Aber beide Truppen stehen vor der Auflösung, da die zionistische hebräische Bewegung sie nicht unterstützt. Selbst die Kulturarbeit für Erez Israel wird nicht im nötigen Umfang getan — ich meine damit die in verschiedenen Ländern bestehende Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität (in Jerusalem) und ihre Tätigkeit, Bücher und Geldmittel für die Universität zu sammeln. Unbefriedigend ist auch die Lage in den Vereinigten Staaten. Die Zeitschrift „Hadoar" schwebt zwischen Leben und Tod, die Erziehungsanstalten sind sich selbst überlassen, die literarischen Bemühungen sind schwach und vereinzelt. Muß man auf einem Zionistischen Kongreß noch die Gefahr betonen, die dem Zionismus und dem gesamten Judentum vom Untergang der hebräischen Bewegung droht? Muß man hier noch die elementare Wahrheit betonen, daß ein Artikel von Achad Haam und ein Lied von Bialik tausendmal mehr Wirkung haben als die fremdsprachigen zionistischen Propagandabroschüren? Muß man hier auf jenen großen Teil der palästinensischen Jugend hinweisen, der auf den krummen Wegen eines vernichtenden Ultra-Revolutionärtums herumirrt, sich dem Volk entfremdet und seinen Ursprung verleugnet? Muß hier auf die Ignoranz hingewiesen werden, die sich in der jüdischen Gasse breit macht und sich mit den Federn antinationaler Ideologien schmückt? Muß man hier noch die Pest der Assimilation zeigen, der -praktischen Assimilation, die unsere Seele zerstört und unser öffentliches, gesellschaftliches und Familienleben mit einer Sintflut von fremden Sprachen und Kulturen überschwemmt, die uns mit der ganzen Last ihres Gewichtes erdrücken? Mit einem Wort: In unserer Literatur und Kultur — Niedergang, in der Erziehung — Gefahr der Auflösung und des Unterganges, in unserer Jugend — Herrschaft der leeren Phrase, in der jüdischen Gasse — ein Tohuwabohu aus öffentlicher Willkür, Verfall und Ignoranz. Was haben wir getan, um dem abgezehrten Körper unseres Volkes lebendigen Odem einzuhauchen? Gibt es eine Rückkehr in das Heimatland ohne vorherige Rückkehr zum Volk, das in alle Windrichtungen verstreut ist? Kann man die Trümmer der Heimat wieder aufbauen, ohne die Trümmer des Geistes unseres Volkes aufzubauen? Eine kleine Gruppe von Schriftstellern und Mitarbeitern, die der gei-