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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 412

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 412 (sequence 412)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476290--8819-3484969
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412 Kongreßsitzung: Bericht der Kulturkommission und in ihren Organisationen erlernt haben. Auch ihre Zahl ist nicht kleiner als 100.000. Übrigens kann man hier die interessante Tatsache feststellen, daß bei der letzten offiziellen Volkszählung in Polen 1930 eine Viertelmillion Juden als Muttersprache Hebräisch angab und dies, obwohl die Zionistische Organisation ihren Mitgliedern freistellte, eventuell auch Jiddisch als Muttersprache anzugeben (Beifall). Die Entwicklung der nationalen Erziehung im Galuth gleichzeitig mit dem starken Aufschwung einer chaluzischen Jugendbewegung schuf eine zweite Tatsache: die Belebung des Hebräischen als Umgangssprache im Galuth. Zwar steht diese Entwicklung noch in ihren Anfängen und die hebräische Umgangssprache ist noch weit davon entfernt, eine allgemeine, dauernde Erscheinung zu sein; unleugbar aber ist die Tatsache, daß die zwanzig Jahre seit Ausbruch des Weltkrieges das Antlitz unserer Generation geändert haben. Die zionistische Chaluzjugend ist zum Träger der lebendigen hebräischen Sprache geworden. Diese zwei Tatsachen legen hinreichend Zeugnis ab sowohl von den Errungenschaften als auch von den Möglichkeiten der Arbeit auf dem Gebiete von Kultur und Erziehung im Galuth. Aber diese Errungenschaften und Möglichkeiten schwinden uns unter der Hand wegen der Existenzbedingungen, unter denen wir im Galuth leben, zum großen Teil aber auch durch unsere Schuld, die Schuld der zionistischen Bewegung. Nach den fetten Jahren des Aufschwungs unserer Arbeit im Galuth kamen magere Jahre, Jahre eines erschreckenden Verfalls, der die Existenz unseres Werkes im Galuth bedroht. Die entsetzliche wirtschaftliche Lage, in der unser Volk im Galuth lebt, die grenzenlose Verarmung der jüdischen Massen bringen unsere Schulen in Gefahr, geschlossen zu werden. Zur Illustration diene die Tatsache, daß in Litauen, dem Land der kulturellen Autonomie, wo unsere Volksschullehrer vom Staat bezahlt werden, in den letzten drei Jahren 22 Kindergärten von der Gesamtzahl von 31 geschlossen werden mußten. Die Schulen in den anderen "Ländern ersticken unter der Last der Defizite. Die Armut der Eltern der Schüler bringt es mit sich, daß viele von ihnen ihre Kinder in die staatlichen Schulen schicken, wo kein Schulgeld gezahlt wird. Die wirtschaftliche Lage verursacht es auch, daß die Tarbuth-Landesorganisationen die Lehrerseminare, die unter übermenschlicher Anstrengung errichtet wurden, nicht erhalten können. Von Jahr zu Jahr kommen dagegen immer mehr Gesuche aus Städten und Städtchen Polens, neue Schulen zu eröffnen, immer mehr hebräische Lehrer werden angefordert, wir aber stehen vor dem tragischen Zwang, die bestehenden Anstalten zu schließen. Die Seminare in Wilna und Grodno, der Stolz unserer pädagogischen Anstalten in Europa, stehen vor der Schließung wegen des Mangels an Mitteln, ihren Bestand zu erhalten. Aber nicht nur das Erziehungswerk steht vor der Vernichtung. Über allen Zweigen unserer Kultur schwebt das Beil. Überall in unserem kulturellen Leben — Verfall und Niedergang. Die hebräische Literatur schrumpft von Tag zu Tag mehr ein. Wenn wir nicht jenen letzten Rest von hebräischen Schriftstellern im Galuth hätten, gäbe es im Galuth keine Spur mehr von ihr. Es gibt keine hebräische Tageszeitung im Galuth

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