Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 411)
- Language
- German, English, Hebrew
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Lewinsohn 411 hebräische Sprache mit allen andern Sprachen und Kulturen zu einem ideologischen Konglomerat mischen. Die dritte Epoche, in der wir heute stehen, strebt zu einem hebräischen Zionismus und zu einem zionistischen Hebräisch. Hebräisch und Zionismus sind zwei Seiten derselben Münze, unserer nationalen Renaissance. Eines ohne das andere ist unvollkommen und entbehrt innerer Einheit. Anders ist es auch nicht möglich. Es ist ausgeschlossen, gleichzeitig sich zu empören und zu unterwerfen, es ist unmöglich, im gleichen Atem Revolutionär in materiellen Dingen und Kompromißler in geistigen Fragen zu sein. Geistesherrschaft ist nicht nur autonom, sondern souverän, sie bedient sich einer und derselben Sprache und Kultur. Unser Hebräisch ist ein Schild gegen die Vielheit der Sprachen, die Kraft und Blüte, Wachstum und Früchte der geistigen Volkskräfte schwächt. Ich will damit nicht den Wert der Galuthsprachen und der Kulturwerte, die in ihnen und speziell im Jiddischen geschaffen wurden, herabsetzen. Ich will aber besonders das große entscheidende Positivum der hebräischen Sprache und Kultur gerade im Galuth betonen, wo unsere geistigen Werte die einzigen Zeichen unseres Daseins und die einzigen Mittel unserer Erhaltung sind. Da darf es keine Kompromisse und Verzichte geben. Daher unser Streben, das Galuth zu hebraisieren, die hebräische Sprache, Erziehung und Kultur im Galuth zur herrschenden zu machen, soweit das nur irgend möglich ist. Haben wir die Möglichkeit dazu? Ich will hier nur zwei Tatsachen behandeln, in denen sich die Erneuerung unseres kulturellen Lebens im Galuth auswirkt. Beide zeugen von der gewaltigen Umwälzung, die sich in unserem Leben im Laufe der letzten zwanzig Jahre vollzogen hat. Die erste Tatsache ist unsere hebräische Erziehung, die wir in den letzten Jahren vor Ausbruch des Weltkrieges begonnen haben, und zwar durch die Gründung des sogenannten ,,Cheder Metukan", des reformierten Cheder, der sich aber aus mehreren Gründen im Leben nicht behaupten konnte. Diese Erziehung entwickelte sich besonders nach dem Weltkrieg und erreichte in kurzer Zeit eine wunderbare Höhe. Wir haben keine genauen statistischen Ziffern darüber, aber einige Zahlen werden genügen, um einen Begriff von der Entfaltung der hebräischen Bewegung im Galuth zu bekommen. Im Jahre 1929 erreichte die Zahl unserer Erziehungsanstalten in sieben Ländern (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Bulgarien und Cechoslovakei) 149 Kindergärten, 313 Volksschulen, 56 Gymnasien und 7 Lehrerseminare. Die Zahl der Schüler betrug ungefähr,40.000. Im Jahre 1933 war die Zahl unserer Schulen allein in Polen 315 mit. 1236 Lehrern und 37.500 Schülern. Wir werden nicht übertreiben, wenn wir annehmen, daß die Zahl der Schüler, die die vom „Tarbuth" in Europa gegründeten Schulen besuchen, 70.000 beträgt. Wenn wir dazu noch die Zahl der jüdischen Kinder hinzurechnen die Hebräisch in den utraquistischen Schulen, in den Schulen der „Jawne'\ des „Schulkult" und anderen lernen, so erhalten wir eine Zahl von fast 100.000 hebräisch sprechenden und verstehenden Kindern. Dazu kommen noch Zehntausende junger Menschen, die als Mitglieder zionistischer Parteien und Chaluzgruppen Hebräisch in Schulen, Abendkursen