Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 410)
- Language
- German, English, Hebrew
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410 jy. Kongreßsitzimg: Bericht der Kulturkommission gründen; deshalb müsse zu diesem Zweck eine besondere Organisation für hebräische Sprache und Kultur gegründet werden. An Stelle der berühmten „Kulturkommission" der ersten Kongresse, die eine Art geistiges Absteigquartier für Fragen der Literatur, Wissenschaft, Sprachforschung, Statistik, Erziehung und Soziologie war, aber nicht eine einzige Sache durchführte, wurde auf dem VIII. Kongreß die „Histadruth lelaschon wetarbuth", die Sprach- und Kulturorganisation gegründet. Ihr war zwar kein langes Leben beschieden — in den ersten Tagen des Weltkrieges verschied sie —, aber ihre Idee lebte fort, wenn auch nur in den Tiefen der zionistischen Ideologie und Tätigkeit. Auf verschiedenen Konferenzen, im Haag, in Berlin und Wien lebte sie wieder auf, um schließlich auf der letzten Berliner Konferenz vor zwei Jahren reale Gestalt im „Brüh Ivrith Olamith" anzunehmen, der sich jetzt immer mehr erweitert. Der Brith erstrebt die Erneuerung und Festigung des Geistes der Nation durch Wiederbelebung der hebräischen Sprache, Kultur und Erziehung, sowie durch Organisierung aller gesellschaftlichen Kräfte, die sich als Teil der hebräischen Bewegung ansehen. Damit sind wir schon bei der dritten Epoche, in der wir jetzt stehen: die Epoche der Synthese von zionistischer Tat und Verwirklichung des hebräischen Gedankens, die eine Koordinierung der Tätigkeit der Zionistischen Organisation und der hebräischen Bewegung bringen muß. Das Verhältnis zwischen Hebräisch und Zionismus in dem Zeitabschnitt von der Haskala bis auf unsere Zeit, kann man im allgemeinen auf folgende Weise umreißen: Die erste Epoche war gekennzeichnet durch Hebräisch als solches, Hebräisch ohne Zionismus, ohne nationalpolitisches Ideal, ein künstliches Meliza-Hebräisch, nicht nur in der Sprache, sondern auch im Wesen. Dieses Hebräisch führte zu Verzweiflung und Enttäuschung, zu dem Klagelied des Sängers der Haskala: „Lemi ani amel"; es war die Ursache der Assimilation der jüdischen Intelligenz und sogar der Taufe. In der zweiten Epoche gab es einen Zionismus ohne Hebräisch. In dieser Zeit erscheint zwar das Hebräische an der Seite des Zionismus, aber es verband sich nicht mit ihm als ein organischer, integraler Bestandteil, sondern schleppte sich wie ein Schatten nach, dank der Pietät für die heilige Sprache und dank der zionistischen Dialektik von der dreifachen Erlösung: Volk, Land, Sprache. Leider ist diese Epoche noch nicht vorbei. Das Verhältnis zum Hebräischen ist im besten Falle ein Verhältnis von Liebe und Verehrung, von Demonstration und Deklaration nach außen. Das lebendige Fleisch des Hebräischen ist in Stücke geschnitten, je nach der Ideologie der zionistischen Parteien, nach den Einstellungen der Juden der verschiedenen Länder im Galuth, nach ihrer sozialen Klasse und ethnologischen Zusammensetzung. Das Hebräische lebt nicht aus eigener Kraft, sondern durch künstliche Pflege. Es ist nicht die Grundlage, nicht die Hauptsache, sondern eine nationale Ergänzung zu dem sonst fremdgeistigen Leben des Volkes, nicht die geistige Nahrung, sondern das Gewürz, die Zutat. Im Gegensatz zum Zionismus, der als Revolution, als absolute Verneinung des Galuth und seiner Häßlichkeit und Erniedrigung auftritt, nimmt das Hebräische die Umwege der Anpassung und des Kompromisses nach der Art jener Utraquisten, die die