Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 409)
- Language
- German, English, Hebrew
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409 Fünfzehnte Kongreßsitzung. Samstag, 2. September 1933, abends. Beginn der Sitzung 20 Uhr 45 Min. Vorsite: Präsident Motzkin. VORS. PRÄS. MOTZKIN: Auf der Tagesordnung stehen die Vorschläge der Kommissionen. Zunächst werden die Anträge der Kulturkommission behandelt. BERICHT DER KULTURKOMMISSION. BERICHTERSTATTER ABRAHAM LEWINSOHN (Arb., Polen — spricht hebräisch): Werter Kongreß, es ist uns, wenn auch nur mit großer Mühe, gelungen, die Frage der hebräischen Kultur und Erziehung im Galuth wieder auf die Tagesordnung des Kongresses zu bringen. Diese Frage, die von allen Kongressen in den Winkel geschoben wird und mit der sich jetzt ein halb leerer Saal befaßt, muß in ihrem ganzen Umfang und ihrer ganzen Schärfe gestellt werden. Sie ist nicht neu. Seit 36 Jahren fehlt sie auf keinem Zionistischen Kongreß, aber jedesmal begräbt man sie in einem Leichenkleid aus schönen papierenen Beschlüssen, die nicht verwirklicht werden. Die Frage der Kultur im Galuth ist in der Waagschale der Kongresse eine gewichtlose Sache, sie gleicht einem Adoptivkind, das barmherzige Delegierte in die zionistische Familie aufgenommen haben. Es ist schwer, in der zionistischen Geschichte eine Analogie für das Verhältnis zu finden, das die Kongresse zu dieser Frage haben, die eine der Zentralfragen unserer Existenz im Galuth ist. Drei Epochen machte die hebräische Bewegung seit Bestand der Zionistischen Kongresse durch. Die erste, die Epoche des „Kulturkampfes", des ideologischen Kampfes zwischen den Anhängern der hebräischen Kultur und ihren Gegnern, erreichte ihren Höhepunkt auf dem IV. Kongreß und endete mit einem Sieg des Hebräischen auf dem V. Kongreß. Seither wurde die Kulturfrage zu einem der Axiome des zionistischen Gedankens, das keines Beweises und keiner Diskussion bedarf. Ich habe dieses Kapitel nicht zu historischen Forschungszwecken erwähnt, sondern um zu betonen, daß sich in der letzten Zeit in Zionistenkongressen eine gewisse Gegnerschaft gegen die Kulturfrage bemerkbar machte. Hier liegt die Quelle des Übels, der Ursprung der Geringschätzung der hebräischen Kultur. Die Diskussion über diese Frage auf, dem Zionistischen Kongreß ist aber für alle Ewigkeit beendet, ihrer Lösung ist das Siegel der Geschichte aufgedrückt, und jeder, der das bezweifelt, wird vor dem Richterstuhl der erwachenden Nation zur Verantwortung gezogen werden. Der zweite Abschnitt war der der wachsenden Erkenntnis, daß die Zionistische Exekutive nicht mit der schweren Aufgabe belastet werden könne, die hebräische Sprache zur herrschenden zu machen, die hebräische Literatur aufzurichten und hebräische Erziehungsanstalten im Galuth zu