Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 394)
- Language
- German, English, Hebrew
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394 12. Kongreßsitzung: Generaldebatte nur die Sünden anderer, sondern auch unsere eigenen Fehler sehen. Nicht „aschamtem" sagt der Jude, sondern „aschamnu". Selbstkritik ist die edelste Art der Kritik. Wenn wir diesen Weg gehen werden, werden wir eine wahre produktive Vereinigung aller guten Parteien im Zionismus herstellen und ohne Hader die Mittel für unser Werk und die Verbindungen finden, die wir bei den Regierungen brauchen. Man wirft uns vor, der Zionismus sei ein Schlachtfeld geworden. Man hat uns hier in Prag in diesem Hause aufgenommen, das ein cechisches Heiligtum ist. Und schon fanden sich Antisemiten, die behaupten, daß wir dieses Heiligtum entweiht hätten. Unterschätzen Sie das nicht! Wir müssen in guten Beziehungen zu Völkern und Regierungen leben, wir müssen unsere Ehre wahren und die Ehre der anderen respektieren. Mein Wunsch ist es, daß sich der Kongreß von diesem Augenblick an erhebe zu dem großen Enthusiasmus, zu dem großen jüdischen Pathos, zu der großen jüdischen Einheit. Dann wird er allen unseren Landesorganisationen und Parteien neue Stoßkraft geben, das zu erreichen, was unser wahres Ideal ist: Erez Israel Haowedet, ein arbeitendes Erez Israel, das alle, die in Erez Israel arbeiten, zusammenfaßt. Macht aus diesem Wort keine Fabriksmarke, dazu ist es zu erhaben. Jeder Jude, der in Erez Israel mit seinen Händen oder seinem Kopf arbeitet, nützlich arbeitet, produziert, der gehört zu Erez Israel Haowedet. Es gibt kein jüdisches Land in der Welt, das quantitativ so viel und qualitativ so Bedeutendes geleistet hätte wie Erez Israel. Wir sind alle stolz darauf, und wir ehren und lieben jene große Partei, die aus diesem Erez Israel kommt. Glaubt nicht, daß ich Euch eine überparteiliche Rede halten will. Es ist eine Rede noch vor Matan thora der Parteien. Ich bin kein Parteimann, nicht weil ich es nicht sein will, sondern weil ich es nicht sein kann. Es fehlt mir der Sinn für Parteigeist. Und wenn Ihr hier vor mir so viele Parteireden gehört habt, so verzeiht mir, wenn ich Euch keine Parteirede gehalten habe. Aber meine Rede enthält die Gedanken, die mich bei meiner Arbeit geleitet haben und mich auch weiter leiten werden, welche Rolle auch immer mir in der zionistischen Bewegung zufallen wird in den wenigen Jahren, die Gott mir noch zu leben beschieden hat {Stürmischer, lang andauernder Beifall; die Delegierten erheben sich von den Sitzen und bereiten dem Präsidenten rauschende Ovationen). VORS. VIZEPRÄS. ELIESER KAPLAN: Hiemit ist die Generaldebatte beendet. Bevor wir an die weitere Erledigung der Tagesordnung schreiten, erteile ich Herrn Grünbaum das Wort zu einem Antrag. JIZCHAK GRÜNBAUM (Rad., A.C. — spricht hebräisch): Ich erlaube mir, die Aufmerksamkeit des Kongresses auf eine Frage zu lenken, die hier ihre Lösung finden muß. Im Namen von 77 Delegierten beantrage ich, in das Statut über die Wahlen zum Zionistenkongreß einen Punkt aufzunehmen, daß das passive Wahlrecht nur jenen Personen zustehen soll, die die hebräische Sprache beherrschen (Lebhafter Reif all, Zwischenrufe: Jiddisch!). Ich werde mir erlauben, mit wenigen Worten diesen