Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 392)
- Language
- German, English, Hebrew
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392 12. Kongreßsitzung: Generaldebatte stätigt bekommen, das steht im Mandat. Den Sabbath zu mißachten ist weder Aufklärung, noch Kultur, das ist Anarchie. Es ist leichter den Sabbath zu entweihen als ihn zu halten. Man entweiht ihn nicht aus Gewissensfreiheit, sondern es ist ungezügelte Willkür. Am Tage nach dem geschilderten Vorfall habe ich öffentlich aus der Tiefe meines Herzens über den Sabbath gesprochen und gesagt, was die Pflicht der Arbeiter ist. Dazu habt Ihr (nach li?iks gewendet) die Autorität, und Ihr müßt Eure ganze Kraft dafür einsetzen, daß Sabbathentweihung nicht vorkomme. Ich appelliere an die siegreiche Histadruth, ihre Autorität dafür einzusetzen, daß diese Dinge aufhören. Ich glaube, alle werden damit einverstanden sein, daß es sich nur um ein Mißverständnis handelt. Die Zeit der Apikorsim aus Trotz ist vorüber. Die intelligenten Sozialisten werden solche Dinge nicht wollen. Der Glanz der jüdischen Religion muß in Erez Israel leuchten. Ich bedaure sehr, daß der Kongreß unter einem Schleier von Aufregungen liegt; ich verstehe es -psychologisch, aber nicht logisch. Eine Kommission ist eingesetzt worden, die eine schreckliche Sache zu untersuchen hat. Ich bin der Meinung, daß wir, solange die Sache im Stadium der Untersuchung ist, dem Ergebnis nicht vorgreifen dürfen und uns nicht in eine Parteinahme hineinziehen lassen dürfen. Die erhabene Seele Arlosoroffs legt uns die Pflicht auf, in seinem Geiste zu wirken; das bedeutet, zionistische Arbeit zu leisten, sich nicht aufreizen und aufregen zu lassen und nicht die Zeit zu vergeuden. Er würde nicht einmal wünschen, daß man ihn lange betrauert. Herzl hat einmal gesagt, wenn die Nachricht von seinem Tode komme, solle man sagen: „Herzl ist gestorben" und darüber zur Tagesordnung übergehen. Wohl ist ein gewichtiger Unterschied zwischen einem natürlichen Tod und der Tragik eines Meuchelmordes, aber kein Unterschied besteht in unserer Pflicht, die Volksarbeit fortzusetzen. Wir wollen unsere normale Arbeit tun. Was für die Reinigung nötig ist, sollen wir erst dann tun, wenn festgestellt sein wird, daß gewisse Zusammenhänge bestehen zwischen einem Teil der schuldigen Menschen und andern Menschen. Die Worte, die ich hier spreche, sollen uns helfen, von einer Krise des Kongresses loszukommen. Jetzt solider richtige Kongreß anfangen. Ich bitte, daß man sich über das bisherige Niveau erheben möge. Wir haben zu viel gekämpft und zu viel polemisiert. Wir haben gute Köpfe und gute Redner: doch alle Rhetorik ist Nachahmung politischen Parteikampfes und politischer Phraseologie. Im jüdischen Volke hat man der Rhetorik niemals solche Wichtigkeit beigemessen. Wenn wir Rhetorik treiben, ahmen wir unbewußt andere Politik nach, und das sollen wir nicht. Wenn wir, wie unser Sozialismus, über Diskussionskämpfe hinauswachsen sollen, so muß unser Kongreß realpolitisch sein. Jetzt müssen wir uns Rechenschaft ablegen darüber, was zu tun ist. Es muß eine neue Periode großer Lösungen kommen, und wir brauchen viel Arbeit. Wir haben verschiedene Versuche gemacht, das ganze jüdische Volk zu zionisieren. Jetzt, bei der neuen tragischen Lage im jüdischen Volke, müssen wir alle vor die einzelnen Schichten des jüdischen Volkes treten, die Linken vor die Linken, die Frommen vor die Frommen, die Vertreter