Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 391)
- Language
- German, English, Hebrew
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Sokolow 391 versuchen, Material gegen die anderen Parteien zu sammeln, um das Material, das gegen sie selbst vorliegt, abzuschwächen. Mit tiefem Bedauern sehe ich, daß in Erez Israel ein überreizter Parteigeist — fast möchte ich sagen, ein Parteigespenst — lebt und sich allzu sehr entwickelt hat. Die Existenz von Parteien an und für sich ist keine schädliche Sache. Mögen sich die Parteien entwickeln und organisieren. Das kann nicht stören, sondern wird uns helfen. Aber das Verhältnis zwischen den einzelnen Parteien sollte nicht so furchtbar gespannt sein, wie es leider ist. Denken wir nur daran, was sich hier abgespielt hat: ich habe den Eindruck, daß der größte Teil der Zeit des Kongresses durch Unterbrechungen in Anspruch genommen wurde. Unterbrechungen sind kein Zeichen der Stärke, sondern ein Zeichen der Schwäche, sie beweisen, daß einer die Ansicht des anderen nicht anhören kann. Politische Kultur besteht aber darin, daß man auch die Ansicht des anderen ruhig anhört. Die Parteiunterschiede und die Parteitemperamente, die dem scharfen jüdischen Geist zu verdanken sind, sind ein Minus für unsere Arbeit in Erez Israel, und das muß beseitigt werden. Wenn fromme Juden in der Diaspora die Worte lesen, die Rabbi Brod über den Sabbath gesprochen hat, werden sie den Eindruck bekommen, daß in Erez Israel die Sabbathen tweihung allgemein ist. Ich war in Jerusalem und Tel Aviv und ich muß sagen, daß in keiner Stadt der Welt, auch in den alten frommen Gemeinden Rußlands, wie zum Beispiel Berditschew, der öffentliche Sabbath — was jeder bei sich im geheimen Winkel tut, darum wollen wir uns nicht kümmern (eine solche Sündenriecherei wollen wir doch nicht einführen) — in solcher Heiligkeit dastand, wie in Jerusalem und Tel Aviv. Dort ist der Sabbath wirklich eine große öffentliche Institution. Zu sagen, daß der Sabbath mit Füßen getreten wird, ist eine Parteiübertreibung. Andererseits ist das, was hier von Links gesagt wurde, auch ein Irrtum, nämlich, daß es sich um die Überzeugung handle und jeder den Glauben oder Unglauben des andern respektieren müsse. Das ist kein jüdischer Standpunkt, sondern ein christlicher. Das Christentum beruht auf dem Dogma: wer glaubt, wird selig, wer nicht glaubt, wird verdammt. Bei den Juden herrscht Gedankenfreiheit. Keiner wird den andern fragen, was er z. B. von der Unsterblichkeit der Seele hält. Ich habe Rabbiner gekannt, welche es mit dem Dinim in den kleinsten Dingen sehr genau genommen haben, aber über die Auferstehung der Toten ihre eigene philosophische Ansicht hatten. Im Judentum ist das Leben das maßgebende Moment, daher die Wichtigkeit der Sabbath-Institution. In diesem Zusammenhange möchte ich auch den verehrten Vertretern der Linken einige Worte der Wahrheit sagen. Ich möchte erzählen, was ich mit eigenen Augen gesehen habe: Ich war kürzlich in Haifa, und da sind Freitag Leute zu mir gekommen und haben mir von Arbeitern erzählt, welche bei öffentlichen Arbeiten tätig waren. Es war festgesetzt, daß die Arbeit um sechs Uhr abends endet, sie aber wollten nicht aufhören zu arbeiten. Ich war darüber sehr erregt, habe ich doch um den Sabbath im Mandat gekämpft. Es ist eine Ehre für die jüdische Nation, ihren Sabbath zu haben, vom Mandat garantiert. Wir haben international den jüdischen Sabbath vom Völkerbund be-