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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 389

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 389 (sequence 389)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Brodetsky, Sokolow 389 hang mit der Lage der deutschen Judenheit die Frage gestellt: Wo war der Präsident? Da hat er wohl mich gemeint. Ich bedaure, daß er sich diesbezüglich nicht früher informiert hat. Tatsache ist, daß der Präsident der Zionistischen Organisation mit besonderer Schärfe — nicht mit jener Mäßigkeit, die mir sonst als Schwäche ausgelegt wird — verlangt hat, daß die Zionistische Exekutive mit einem großen Aufruf sofort hervortreten solle. Aber die Sache hat einen ganz andern Gang genommen, es entstand ein schwieriger Telegrammwechsel, und es ist durchaus nicht meine Schuld, daß man nicht im richtigen psychologischen Moment hervorgetreten ist. Freilich, der Moment ist noch nicht ganz vorüber, die fortgesetzte Tragödie schreit nach Hilfe, und wir müssen doch einmal das tun, was ich für richtig hielt. Ich will noch einige Punkte erwähnen, nicht so sehr als Antwort auf eine Kritik, sondern um Ihnen gewissermaßen mein Glaubensbekenntnis abzulegen. Ich bin kein demagogischer, sondern ein realpolitischer Anhänger des ersten Herzl-Gedankens. Ich bin absoluter Herzlianer; so hat sich mein zionistisches Leben entwickelt, und es gibt nicht einen Moment in meinem Leben, in dem ich nicht die Verwirklichung der Ideale Herzls angestrebt hätte. Diese Verwirklichung stelle ich mir nicht etwa so vor, daß man Endziele proklamiert. Unser Weg ist ein Weg der Tat, ein Weg sukzessiven Steigens, der Weg, den wir gehen und den ich für den richtigen halte. Diese Methode der sukzessiven, etappenmäßigen Erreichung des Ziels ist die einzige, die uns weiterführt, und von ihr darf man nicht abweichen. Ich glaube weiter, daß im Zentrum des nationalen Aufbaus der jüdische Arbeiter steht. Nicht als ob nicht auch der Handwerker oder der Intellektuelle von großer Wichtigkeit wäre. Der Aufbau beruht nicht nur auf einem Element, aber sein Kern ist der Arbeiter. Wir können jedoch ein Volk nicht aus einem einzigen Element aufbauen, denn ein Volk ist eine Synthese von verschiedenen Elementen. Freilich ist unsere größte Leistung in Erez Israel die Schaffung des jüdischen Landarbeiters. Denn Kaufleute und Intellektuelle gab es bei uns auch vorher. Was dem jüdischen Volke fehlte, war der jüdische Bodenarbeiter und die jüdische Landwirtschaft; sie wurden in Erez Israel geschaffen. Man braucht kein Sozialist oder Liberaler zu sein, um dies anzuerkennen. Das hat auch nichts mit Wahlergebnissen zu tun und nichts damit, ob die Linken die Mehrheit bekommen haben oder nicht. Auch wenn es eine politische Lage gäbe, in der die Linken keine Stimmen hätten, müßte dies unbedingt anerkannt werden. Da Sie nun eine Mehrheit haben, beglückwünsche ich Sie dazu, möchte Ihnen aber sagen, es möge Ihnen nicht passieren, wie es in der Bibel heißt: „Wajischman Jeschurun Wajiv'at" (Heiterkeit). Ich will aber feststellen, daß unabhängig von den Wahlresultaten, meiner tiefsten Ueberzeugung nach der Arbeiter in Erez Israel das Fundament des Jischuv darstellt. Es gibt aber andere Berufe und Professionen im Lande, die auch von großer Bedeutung sind. Es gehen viele ehemalige Gwirim und Balebatim herum, die gern Arbeiter werden und in diese Klasse eintreten möchten. Eigentlich gab es bei den Juden nie ein stabiles Klassensystem. Auch

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