Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 382 (sequence 382)
- Language
- German, English, Hebrew
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382 12. Kongreßsitzung: Generaldebatte zu lösen sei. Es wird hier in einer dogmatischen Weise ein Gegensatz konstruiert, der überhaupt nicht existiert. Auch ein anderer Redner — wenn ich nicht irre Herr Dr. Margulies — hat zu den Arbeitern gesagt, indem er die bestehenden Leistungen herabsetzte: „Für Euch ist es eine große Sache, ob eine Kuh dreißig oder vierzig Liter Milch geben wird. Was ist das aber, gemessen an dem großen Problem des jüdischen Volkes?" Nun wohl: ob eine Kuh mehr Milch oder weniger Milch gibt, ist vielleicht gleichgültig für das jüdische Volk; aber die Frage, ob alle Kühe Palästinas mehr Milch geben werden, hängt mit der Aufnahmefähigkeit von Erez Israel, mit seinem landwirtschaftlichen Aufbau und seiner landwirtschaftlichen Zukunft und mit dem wirtschaftlichen Aufbau des jüdischen Volkes zusammen, und so entsteht eine lange Kette, von dem Liter Milch angefangen bis zur Lösung des jüdischen Problems (Lachen bei den Revisionisten). Es ist interessant, daß die Revisionisten lachen; sie sind wahrscheinlich dafür, daß die Kühe weniger Milch geben. Auch hier habt Ihr eine gewisse Entwicklung durchgemacht. Es gab Zeiten, wo es eine besondere revisionistische Agronomie gab und Bewässerung und Kleinsiedlung das Alpha und Omega des revisionistischen Programms darstellten. Ihr habt aber den Agronomen Soskin vor die Tür gesetzt und seine ganze Lehre vergessen! Ich will zur Frage zurückkommen, die Herr Bernstein angeschnitten hat: Ich weiß, daß sofort, als die ersten Nachrichten über die Ereignisse in Deutschland kamen, bei jedem Zionisten und auch bei jedem Juden die Frage auftauchte, wie man aus Deutschland eine möglichst große Zahl von Juden hinausbringen und wie man sie nach Erez Israel bringen könne. (Lachen bei den Revisionisten; Zwischenruf: Durch ein Abkommen!) Wenn ich nicht irre, und ich irre sicher nicht, so ist im „Moment" zwei Tage vor der Ermordung Arlosoroffs ein Artikel gegen Arlosoroff wegen seiner Stellung in dieser Frage erschienen, und in derselben Zeitung hat Jabotinsky geschrieben, daß man mit Hitler ein Abkommen schließen darf (Rufe der Revisionisten: Falsche Zitate! — genau so wie mit Petljura). Es wird Euch nichts nützen, wenn Ihr die Zitate als falsche bezeichnet. Ich übernehme die vollständige Verantwortung dafür, daß solche Dinge geschrieben wurden. Das Problem der deutschen Juden stand vor uns allen, und wir überlegten, wie man große Mittel für diesen Zweck schaffen kann. Wir dachten daran, einen neuen"Fond zu schaffen, und wir haben ihn proklamiert. Man hat den Vorwurf erhoben, daß wir den Fond zu spät geschaffen haben. Das ist richtig; aber wir hatten große Schwierigkeiten zu überwinden. Und als wir diesen Fond geschaffen hatten, erklärte der holländische Zionistenbund, daß wir aus dem deutschen Problem eine philanthropische Angelegenheit machen und die große internationale Bedeutung des Problems nicht verstünden. Wir haben uns bemüht, zu beweisen, daß auch wir wissen, daß der Zionismus eine Lösung des jüdischen Problems finden muß, daß diese Lösung aber nicht von heute auf morgen gefunden werden kann. Ich muß Herrn Bernstein, der doch ein sachlich denkender und sachkundiger Mann ist, sagen: Es herrscht hier eine merk-