Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 381 (sequence 381)
- Language
- German, English, Hebrew
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Locker 381 sammenhang damit haben. Es sind sicher Mißbräuche vorgekommen, und ich will nicht sagen, daß dies nur in einem Lager passiert wäre. Alle haben daran Anteil. (Zwischenruf RABBI HALPERN: Sie sollten nicht davon reden!) Ich bitte Sie, Rabbi Halpern, auf diese Tribüne zu treten und zu erklären, warum ich nicht darüber reden soll. Jedenfalls bin ich mehr berechtigt, darüber zu reden, als Sie. Und was meine Partei anlangt — möge jeder vor seiner Tür fegen —, möge Ihr Führer (wendet sich zu den Revisionisten) in Bezug auf seine Partei das reine Gewissen haben, das ich in Bezug auf meine Partei habe (Beifall links, Unruhe rechts). Aber nach all dem hatte Dr. Grünbaum kein Recht, von der Schande des Schekelwahlrechts zu sprechen. Das ganze Problem ist ein zu tiefes und scharfes und ernstes, als daß man es mit einem so schreienden Schlagwort lösen könnte. Der Zionismus ist nicht ein Verein für Palästinaaufbau, der Zionismus ist auch eine gewaltige Massenbewegung, und ich glaube, es gereicht dem Zionistenkongreß zum Stolz, daß er der Ausdruck des Willens der Massen ist. Die Tatsache aber, daß Massen zum Kongreß wählen und daß es oft schwer ist, sie zu kontrollieren, sollte uns beschäftigen, und wir sollten Wege für eine wirksame Kontrolle suchen. Ich habe von der Gefahr des Konjunkturzionismus gesprochen. Wir sollten aber die Tatsache nicht geringschätzen, daß dieser Kongreß während der gesamten Geschichte der Diaspora die erste jüdische Versammlung ist, die eine so große Anzahl von Juden in legitimer Weise vertritt. Ein Wort an Herrn Torczyner aus Belgien: Er hat mir bittere Vorwürfe gemacht, weil ein Mann aus dem Büro eine Adresse falsch geschrieben hatte. Ich nehme die Vorwürfe für das gesamte Büro auf mich. Aber, unter uns gesagt, ich kontrolliere nicht jede Adresse. Es passiert einmal ein Irrtum. Aber wenn Sie glauben, daß die Exekutive in den letzten zwei Jahren sich weniger freundschaftlich zu den kleinen Landsmannschaften gestellt hat, so sind Sie im Irrtum. Es gibt sicher gewisse legale Verhältnisse, die zu berücksichtigen sind. Aber die Exekutive und das Organisationsdepartement haben sich ehrlich bemüht, jenen kleinen Landsmannschaften, die Interesse für die Probleme haben, Gelegenheit zu geben, auch in Körperschaften zum Ausdruck zu kommen, in denen sie direkt nicht vertreten sind. Wir haben Vertreter der kleinen Landsmannschaften ins A.C. und in die Organisationskommission eingeladen. Wir haben uns bemüht, diesen Zustand zu erleichtern; ich glaube daher, daß wir diesen Vorwurf nicht verdient haben. Und ein Wort über Holland: Ich habe die neue Auflage des holländischen Memorandum gelesen und mit großer Aufmerksamkeit der Rede von Dr. Bernstein aus Holland zugehört. Ich will auf einen Punkt eingehen, da hier gewisse Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedern der Exekutive und den Freunden aus Holland bestehen. Herr Bernstein hat ein Wort benützt, das er in seiner Korrespondenz mit der Exekutive und, wie mir scheint, auch in dem Memorandum gebraucht hat. Er wollte uns erklären, daß das Problem der deutschen Juden vom zionistischen Standpunkt nicht darin besteht, wie man ein Asyl für die deutschen Juden schaffen soll, sondern wie die jüdische Frage überhaupt