Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 376 (sequence 376)
- Language
- German, English, Hebrew
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376 12. Kongreßsitzimg: Generaldebatte Die hebräische Schule ist der Anfang der Hachschara für Erez Israel. Wir fordern von diesem Kongreß, dafür zu sorgen, daß das Departement für Erziehungsfragen in der Diaspora von der neuen Exekutive endlich errichtet werde (Beifall). Dr. JUDA OHRENSTEIN (Allg., Westgalizien — spricht hebräisch): Ich frage mich: was hat der Kongreß dem Volke gegeben und welchen Weg hat er ihm gezeigt? Viel ist in den Diskussionen gesprochen worden. Es waren aber keine Worte der Aufmunterung, mit denen man die Hoffnungen des Volkes aufrechterhalten könnte. Man hat hier z. B. über die Lage der Juden in Deutschland gesprochen. Waren diese Worte aber imstande, die tragische Lage zu schildern, in der sich das deutsche Judentum befindet? Und es handelt sich nicht nur um das deutsche Judentum. Das ganze jüdische Volk wird ruiniert. Sind denn dies die ersten Pogrome? Es gab doch schon einen Pogrom in Kischinew, das gesamte ukrainische Judentum wurde ruiniert; es gibt keine Zukunft für uns im Galuth. Waren wir von Sorge über diese Lage erfüllt? Haben wir das Volk in diesem Geiste erzogen, damit es alle seine Kräfte anstrenge, um Erez Israel zu erleben? Nichts dergleichen hat man auf diesem Kongreß gehört. Der Kongreß war vom ersten Moment an mit Sensationen erfüllt. Auch jetzt kümmert man sich nur um diese oder jene Kombination, aber nicht um die Lage der ganzen Nation und um ihre Vorbereitung für Erez Israel. Aber in diesem Augenblick, in dem wir so ruhig hier sitzen und das Volk sich ohne Führung, ohne Organisation nach Erez Israel drängt, in dem Moment, in dem wir hier einen Bruderkampf führen, werden nicht nur die Tore Erez Israels auf lange Zeit für uns geschlossen, sondern man tut alles, um in Erez Israel jahraus, jahrein Zehntausende von Arabern einzulassen. Das Land, das zweitausend Jahre öde dastand, wird zu einem arabischen Land. Und schon gibt es nur noch mehr wenig Boden zur Ansiedlung von Juden. Von allen Regierungsböden haben die Juden nur zwei Dunam bekommen, und dies von einer Regierung, die uns bei unserer Kolonisation in Erez Israel doch helfen sollte. Das ist unsere Lage. Wir Stam-Zionistische Jugend haben immer gehofft, daß der Allgemeine Zionismus die Lage retten und den gesamten Kongreß um sich konzentrieren wird. Wir stehen verzweifelt da. Wir werden weiter kämpfen, aber vom Kongreß nehmen wir keine Hoffnungen mit (Beifall). RABBI MENACHIM HAGER (Misr., Polen — spricht jüdisch): Als einer der Rabbanim, der seit Jahren in der Bewegung arbeitet, und der sich besonders mit der Keren-Kayemeth-Arbeit befaßt — und wenn ich es offen sagen darf, auch persönliche Opfer für den Keren Kayemeth gebracht hat —, bin ich vielen Delegierten von rechts und von links nicht unbekannt. Und wenn ich nun seit zehn Tagen hier in Prag sitze und mich frage, was hier vor sich geht, so habe ich keinen anderen Ausdruck als den, daß sich hier die zweite Tragödie des jüdischen Volkes abspielt. So wie die Lage des jüdischen Volkes in der ganzen Welt jetzt tragisch ist, so tragisch ist auch die Lage des Kongresses. Der Kongreß, das Parlament unterwegs, das einmal in zwei Jahren zusammentritt,.