Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 371)
- Language
- German, English, Hebrew
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Gottesdiener, Neustadt 371 die Herren sind doch in Wahrheit nicht dagegen, daß der Schekel das Wahlrecht gebe; sie sind nur dagegen, daß man ihn so billig bekommen kann. Sie wollen nicht, daß die „Interessenten" in Massen Anteil an den Kongreßwahlen nehmen sollen. Denn wenn man den Preis des Schekels verdoppelte — man nennt das Zweijahresschekel —, hätten sie nichts gegen das Schekelsystem einzuwenden. Wir sind der entgegengesetzten Meinung: gerade dieser Interessentenzionismus ist die wahre Kraft des Zionismus, ist die größte Garantie für die Realisierung des Zionismus und für das schnellste Tempo im Palästinaaufbau. Der Zionismus ist ein Produkt der Not der jüdischen Massen, ihrer Heim- und Bodenlosigkeit. und seine Kraft und sein Wert steigt nur in dem Maße, als er den jüdischen Massen Stütze sein kann in ihrer Not. Hunderttausende von Not Gepeinigte und Geplagte warten heute mit Sehnsucht und Unruhe auf die Möglichkeit, nach Erez Israel zu kommen. Die Verantwortung der zionistischen Bewegung und ihrer Instanzen ist daher zehnfach größer als in normalen Zeiten. War die Bewegung und ihre Führung dieser großen Verantwortung, die die Zeit ihr auferlegt hat, gewachsen? Man kann es nicht behaupten. Parteien und Gruppen, die in diesem Kongreß sitzen, haben begonnen, die Not der Massen für ihre engen politischen Interessen auszunützen. Man versuchte den notleidenden Massen den Eindruck zu suggerieren, daß all die Zehn- und Hunderttausende, die bitterste Not leiden, die ökonomisch entwurzelt sind — daß sie alle schon morgen in Erez Israel auf eine höhere soziale Stufe werden aufsteigen können; sie würden wieder jene Händler und Vermittler sein können, die sie noch bis vor kurzem in ihrem Heimatstädtchen waren, wenn nur nicht die bösen Arbeiter in Palästina alle Budgets und die bösen Chaluzim alle Zertifikate an sich reißen würden. Gleichzeitig hat man den jüdischen Massen suggeriert, daß ihre eigene Anstrengung eigentlich zwecklos sei und gar keine Bedeutung, gar keinen Wert habe. Vor einigen Minuten hörten wir diese Weisheit auch von Herrn Margulies. Was nützen noch ein paar Dunam des Keren Kayemeth, was noch ein paar Pfund für den Keren Hajessod? Wir brauchen bloß große Demonstrationen zu veranstalten, laut zu fordern, und dann wird schon irgendeine mysteriöse Kraft Erez Israel für uns bauen und uns alles geben, was wir brauchen. Wir müssen der Leitung der zionistischen Bewegung den Vorwurf machen, daß sie die Einbürgerung solcher Meinungen und Gedankengänge bei den jüdischen Massen nicht verhindert hat. Es ist die Pflicht der Leitung, dafür zu sorgen, daß die jüdischen Massen immer genau und richtig wissen, was in Erez Israel tatsächlich vorgeht, wer sich jetzt schon in Palästina einordnen kann und wer nicht. Es war nichts davon zu merken, daß die Leitung der Bewegung dafür gesorgt hätte. Was immer auch in Erez Israel und um Erez Israel herum geschehen wäre und wer immer auch es versucht hätte, die Zionistische Organisation wird immer dafür verantwortlich sein. Wir hätten schon von den Geschehnissen der Jahre 1925 und 1926 lernen können, wenn auch Meschek in Polen und Kehilath Zion in Amerika keine offiziellen Institutionen der 24'