Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 370

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 370 (sequence 370)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476290--8777-3484927
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

370 12. Kongreßsitzung: Generaldebatte men, man hat bezüglich Schech-Abrek wiederholt Beschlüsse gefaßt und sie nicht eingehalten. Ich wende mich nicht nur gegen die Linke, sondern gegen alle diejenigen, welche verantwortlich sind. Warum gibt man uns nicht die Möglichkeit der Ansiedlung? Man sagt, wir seien zu spät gekommen. Fünfzehn, zwanzig Jahre haben wir für andere gearbeitet und haben Toleranz bewiesen, und das ist der Dank dafür! Man sagt uns, wir hätten zum orthodoxen Judentum gehen und es gewinnen sollen. Wie kann man das verlangen, wenn man am Jörn Kippur zu Kol Nidre Konferenzen abhält und Sendath Purim macht. Dann sollen wir die Orthodoxen gewinnen? Wenn wir Einfluß haben sollen, muß man es uns möglich machen! Warum haben wir nicht eine Position wie Nahalal, Ejn Charod und Merchawia bekommen? Haben wir auch nur einen Beamten in der Zionistischen Organisation? Was ist der Grund dafür, daß man uns so hintansetzt? Solange in der Organisation der Machtkampf tobt, solange wird keine Ordnung sein. Man hat verschiedene Mittel gefutiden, uns zu unterdrücken. Man hindert uns an der Hachschara und bei der Alija ergreift man verschiedene Maßregeln, um Menschen von religiöser Überzeugung nicht ins Land zu lassen. Wenn es ein Element gibt, das Erez Israel vollkommen entspricht, dann ist es der religiöse Chaluz, der mit seiner ganzen Seele mit Erez Israel verbunden ist. Wir werden absolut nicht weiter zulassen, daß wir Stiefkinder der Organisation sind. So wird es nicht weitergehen. Wir verlangen eine Ordnung, die es möglich macht, daß auch religiöse Juden als Chaluzim nach Palästina gehen, Menschen, die ein religiös-jüdisches Erez Israel aufbauen werden. Die letzten Tage, die uns noch geblieben sind, müssen wir dazu verwenden, zu überlegen, welche Schule der Leiden wir mitmachen; wir müssen dem Bruderhaß ein Ende machen und alle einander die Hand reichen, um die Organisation zu schaffen, welche die Zeit fordert (Beifall), MELECH NEUSTADT (Arb., Polen — spricht jüdisch): Zionismus und Palästina sind für die zionistischen Massen längst nicht mehr abstrakte Ideen. Die große Not des jüdischen Lebens hat Erez Israel in die erste Reihe der Abwehrmaßnahmen gegen das jüdische Elend gerückt. Über fünfzig Prozent aller Schekelzahler zum jetzigen Kongreß sind Juden aus Polen, und es ist nicht nur das gesteigerte Interesse des leidenschaftlichen inneren Kampfes, der diese Juden getrieben hat, den Schekel zu kaufen, es ist auch die Hoffnung, daß Erez Israel die Notlage der jüdischen Massen erleichtern wird. Das hat sie mit dem Kongreß, mit dem Zionismus verbunden. In den Ländern, wo die jüdische Not noch nicht so hoch gestiegen ist, ist auch das Interesse für den Kongreß viel kleiner. Manche Redner ließen hier bittere Worte gegen unser Schekelsystem fallen; sie sind nicht zufrieden mit diesem „Interessenzionismus4'. Ich will mich jetzt nicht in eine Diskussion einlassen, ob das Schekelsystem die idealste Methode ist, festzustellen, wer das Wahlrecht zum Kongreß hat. Aber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.