Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 369)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476290--8776-3484926- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Margulies, Gottesdiener 369 so viele tausende Juden zugrunde gehen, den Begriff eines Pächters schafft, der überhaupt kein Pächter ist — wenn man dies als Vorwand benutzt, dem jüdischen Volk den Ankauf von Boden unmöglich zu machen, dann verstehen wir nicht, wie man das die Erfüllung des feierlichen Versprechens nennen kann. Und die Welt muß sehen, daß hier ein Versprechen nicht gehalten wurde. (Zwischenrufe: Petition!) Wenn wir die Frage des Schicksals des jüdischen Volkes auf die Tribüne des Völkerbundes gestellt haben, so müssen wir diesen Weg weitergehen und den Völkern klar machen, worum es sich hier handelt, daß diese hunderttausende ihrer Existenz beraubten Juden Unruhe in die Welt bringen und die Krise verschärfen, und daß man die Ruhe wiederherstellen muß, indem man diesem Volke das Wort hält, das man ihm gegeben hat. Das, so schien es mir, wäre die Aufgabe des Kongresses gewesen: die Stimme zu erheben im Namen des ganzen jüdischen Volkes und mit der ganzen Wucht der Verzweiflung und Leidenschaft an die versperrten Tore des jüdischen Landes zu klopfen, das uns gehört und das niemals England gegeben, sondern nur anvertraut worden ist (Lebhafter Beifall). DR. ABRAHAM GOTTESDIENER (Misr., Ostgalizien — spricht jüdisch): Während wir hier über die Zukunft des jüdischen Volkes im Galuth und Erez Israel beraten, werden in Polen und in anderen Ländern auf Grund verschiedener Zeitungsmeldungen Nachrichten verbreitet, die darauf hinweisen, daß hier auf dem Kongreß ein Kampf tobt. Wir sollen überlegen, in welcher katastrophalen Lage das jüdische Volk ist, und sollten vom kleinlichen parteipolitischen Kampf ablassen und uns mit den Prägen unseres Schicksals und unserer Zukunft befassen. In Erez Israel muß es keinen Klassenkampf geben, wohl aber einen Interessenkampf, und um diesem Kampf ein Ende zu machen, dürfen wir nicht dieselben Mittel verwenden wie alle anderen Völker. Ein Volk, das der Welt so hohe Ideen gegeben hat, aus dem zwei Religionen hervorgegangen sind, muß in seiner Thora den Weg finden, den Interessenkampf zwischen Juden auszugleichen. Das ist nicht bloß eine Frage von Arbeitgebern und Arbeitern, sondern eine Frage der ganzen jüdischen Gesellschaft und des ganzen jüdischen Volkes. Nur wenn wir diesem Kampf ein Ende machen, werden wir alle Kräfte zusammenfassen können, um den großen Bau zu vollenden. Aber in unserer Organisation herrscht eine Tendenz, die dem Judentum fremd ist, und das ist die Tendenz zur Macht. Wir sind aus gutem Willen hiehergekommen, keine Macht hält uns zusammen als die Macht der Überzeugung, die Macht unserer Forderungen, die Macht unserer Hoffnungen. Aber wenn man Macht ausüben will, hat heute dieser, morgen jener die Macht, und der Kampf geht weiter, statt daß wir daran denken, was in Erez Israel zu tun ist. Wir sind zu einer Art von Phonogramm degradiert, indem wir immer nur wiedergeben, was der oder jener gesagt hat, und dabei einander unaufhörlich bekämpfen. Der Misrachi durchlebt in der Zionistischen Organisation eine furchtbare Tragödie. Man hat uns Chittin gegeben und es uns wieder genom- 24