Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 358)
- Language
- German, English, Hebrew
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358 Ii. Kongreßsitzung: Generaldebatte bereits Gewürm, das sich an dieser Prosperity mästet; schon gibt es Millionäre dort, aber Rabbi Wise fand nichts daran auszusetzen. Man behauptet auch, daß es Spekulanten in Eres Israel gibt — aber dazu hatte Rabbi Wise nichts zu bemerken. Dagegen hat er sich auf die Histadruth verlegt: das darf nicht als die Meinung der amerikanischen Zionisten gelten (Beifall). Solche unrichtige Behauptungen werden wir nicht zulassen, wir wollen die Verantwortung für solche Worte nicht auf uns nehmen (Beifall). Rabbi Wise hat auch erzählt, daß die Organisation heute keine Organisation ist. Alles, woran er nicht beteiligt ist, ist eben schlecht. Diese Methoden sind charakteristisch für die paar Leute, die sich zwischen die Massen der amerikanischen Zionisten und den Zionistenkongreß gestellt haben, die sich bombastisch in den Vordergrund rücken, die ihren Einfluß auch in anderen jüdischen Organisationen spielen lassen, um durch sie die zionistische Organisation zu beeinflussen. Die jüdische Welt ist in Bewegung ob eines Ereignisses, das sich in Erez Israel abgespielt hat — ich muß nicht erst ausdrücklich sagen, welches traurige Ereignis gemeint ist. Hat Rabbi Wise auch nur ein Wort darüber verloren? Das sieht so aus, als ob ein unbedeutender Mensch aus dieser Welt hin weggerafft worden wäre, der wahrscheinlich sein Schicksal verdient hat. Darüber lohnte es Rabbi Wise nicht, Worte zu verlieren, aber die Histadruth, die steht ihm im Wege! Über die Jewish Agency hat Rabbi Wise rechtzeitig ,,Rebbonim Kaddisch" gemacht. Das ist symbolisch für die Art von Reformjudentum, welches Rabbi Wise vertritt, sich mit dem Kaddisch zu begnügen (Heiterkeit). Sehr oft sagt Rabbi Wise Kaddisch über Dinge, die er allein vernichtet hat. Es hieße die Intelligenz der Delegierten beleidigen, wollte ich die banalen Phrasen von der Einheitsfront und von dem tragischen Moment der Gegenwart wiederholen. Aber man muß aus dem, was heute geschieht auf diesem Kongreß, die richtigen Schlüsse ziehen. Als Rabbi Wise unrichtige Behauptungen vorgehalten wurden, faßte er sich rasch und sagte: „Nun ja, das war ein Fehler von mir." Jawohl, es war ein Fehler — es fragt sich nur, wieviele Fehler Rabbi Wise bereits begangen hat. Es fragt sich auch, ob er überhaupt etwas über Erez Israel weiß — soweit mir bekannt ist, hat Rabbi Wise seit 1919 Erez Israel nicht besucht, dagegen hat er in dieser Zeit wohl zwanzigmal in Berlin, London, Zürich, Basel und Genf geweilt. So entstehen eben Fehler. Das Gebot der Stunde aber ist, daß die Menschen, die selbst einsehen, daß sie Fehler begangen haben, sie eingestehen, aber nicht herkommen und unter dem Vorwand Frieden zu machen, Öl ins Feuer gießen. Wenn alle ihre Fehler eingestehen würden, dann hätten wir einen anderen Kongreß und einen anderen Zionismus (Beifall). Noch ein Wort über die amerikanischen Zionisten: Wir haben in Amerika Wahlen gehabt, die ein Spiegelbild unserer dortigen Verhältnisse waren. Hier aber finde ich, daß Rabbi Wise sich um die Freundschaft des Misrachi bemüht. Möge beiden die neue Ehe wohl bekommen! Die Wahlen in Amerika haben bewiesen, was die amerikanischen Zionisten über verschiedene Probleme denken, wie sie darauf reagieren,