Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 354)
- Language
- German, English, Hebrew
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354 //. Kongreßsitzung; Generaldebatte Ich erwähne gar nicht erst den nationalen Aspekt der Frage. Aber auch das Verständnis für den rein menschlichen Aspekt der Frage fehlt der Jerusalemer Exekutive. Wenn die Exekutive Gerechtigkeit üben und den Jemeniten eine angemessene Zahl von Zertifikaten zuteilen würde, hätte dies die wichtigsten Folgen für den gesamten Palästinaaufbau. Denn hundert an Jemeniten ausgefolgte Zertifikate bedeuten mindestens fünfhundert jüdische Einwanderer. Die zirka 10.000 Familien, die noch in Jemen unter stärkstem materiellem und seelischem Druck leben, würden im Laufe von höchstens zehn Jahren die Zahl der jüdischen Einwohner Erez Israels um zirka 50.000 ergebene, produktiv arbeitende Volksgenossen vermehren. Die Einwanderung der Jemeniten würde zugleich eine unerhörte ethische Tat der Zionistischen Organisation und eine schnelle Vermehrung der jüdischen Bevölkerung bedeuten — trotz Hyamson und seinesgleichen! Und nun, meine Herren: erinnern Sie sich an den Beschluß, den der XVI. Kongreß auf Grund des von unserer Zentrale eingereichten Programmes, bezüglich eines Immigrationsbüros in Aden einstimmig faßte? Glauben Sie, daß die Jerusalemer Exekutive diesen einstimmig gefaßten Beschluß ausgeführt hat? Nein. Durchaus nicht. Noch heute sitzt in Aden derselbe Beamte, den die Exekutive zur Ausübung eines so verantwortungsvollen Amtes für geeignet hält, nur weil er — die Exekutive gibt es in einem Schreiben an uns zu — ein guter Keren- Hajessod-Zahler ist! Der Kongreß wählt also eine Leitung, die es nicht für nötig erachtet, die Beschlüsse derjenigen auszuführen, die sie wählten; ein in der Geschichte der Parlamente wohl ziemlich vereinzelt dastehender Fall! Ich weiß, ich weiß: man wird mir zurufen, daß kein. Geld da ist. Aber ein Immigrationsbüro in Aden würde höchstens 240 Pfund pro Jahr kosten, also in zwei Jahren 480 Pfund. Die Jerusalemer Exekutive schickt kaltblütig Dutzende, vielleicht Hunderte von Menschen in den Tod, um 480 Pfund einzusparen, während weit größere Summen von. unserer Bürokratie auf Schritt und Tritt vertan werden. Dutzende von Waisen begeben sich in buchstäbliche Lebensgefahr, um nicht von den Inquisitoren in Jemen zum Islam gezwungen zu werden. Wir wissen alle, daß die Zionistische Exekutive und mit ihr die gesamte jüdische Welt tätigen Anteil am Schicksal der jüdischen Jugend in Deutschland genommen hat — mit Recht. Wir wissen, daß Dr. Arlosoroff, dessen tragischen Tod wir alle aufs tiefste beklagen, sich nach Deutschland begab, um zu retten, was noch zu retten war. Als aber im Jahre 1929 wir, die „Nichtarier", der Exekutive ein Memorandum über die Einwanderung von 140 Waisen einreichten, die sich bereits an der Küste befanden, rührte die Exekutive nicht einen Finger, um die Einwanderung dieser Waisen zu ermöglichen, trotz der von unserer Zentrale geleisteten Garantien! Schon dies beweist, daß die Anklage, die ich erhebe, berechtigt ist und daß zwischen braunen und weißen Volksgenossen ein scharfer Trennungsstrich gezogen wird. Die Leitung der Jemeniten-Union in Erez Israel beschloß, eine Abordnung in die Galuthländer zu senden, um zugunsten unserer Einwanderung unter den Juden Europas zu wirken. Außer den ihr erteilten Vollmachten war die Abordnung mit Dokumenten versehen, welche das>