Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 351)
- Language
- German, English, Hebrew
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Katznelson 351 Jahren zum Kongreß kommen, sondern für die wir leben und sterben. Dr. Grünbaum fragt enttäuscht: „Wo ist das Programm der großen Partei?" Die Frage beweist, daß er die Lage des Zionismus im gegenwärtigen Augenblick nicht versteht. Gewiß wäre es gut, mit großen konstruktiven Plänen sowohl auf wirtschaftlichem wie auf politischem Gebiet zum Kongreß zu kommen. Aber es ist nicht unsere Schuld^ wenn wir zu diesem Kongreß nicht mit solchen Vorschlägen kommen konnten. Der Zionismus stürzte in ein so furchtbares Unglück, daß man nicht mit konstruktiven Dingen kommen kann, so lange man sich nicht von diesem Unglück befreit hat. Unsere Bewegung ist eine reine Freiheitsbewegung. Wenn sie nun mit Blut beschmutzt wurde, kann man an keine konstruktive Arbeit schreiten. Und ein Mann wie Ussischkin, der doch jeden Tag an die konstruktive Arbeit denkt, erklärte im A.C., der Kongreß könne sich mit nichts anderem beschäftigen, da eine einzige Sache seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehme. Man kann auf dem Kongreß nicht über die Angelegenheiten sprechen, die uns schmerzen. Es ist sehr bedauerlich, daß die Delegierten so wenig vom realen Palästina und vom realen Zionismus wissen. Hättet Ihr die Presse Erez Israels, die heute hier eingetroffen ist, nicht nur unsere Zeitung, den „Dawar", sondern auch die liberale Zeitung „Haarez" und die bürgerliche Zeitung „Doar Hajom" gelesen und verstanden, was sie enthält, dann hättet Ihr begriffen, daß der Kongreß nichts unternehmen kann, ehe er sich von der großen Schmach befreit hat. (Beifall. Zwischenruf eines Revisionisten: Warum habt Ihr den Kongreß einberufen?) Eben darum haben wir den Kongreß einberufen. Ihr meint, Ihr könntet Vogel Strauß-Politik treiben. Ihr tut, als wüßtet Ihr von nichts; aber andere kommen und enthüllen es. Zur Zeit des ersten Tempels gab es ein großes Unglück: man hatte das Blut des Propheten Secharja vergossen. Das Blut brodelte und kochte, bis der Feind kam und Opfer darbrachte. Ich will hoffen, daß der Zionismus nicht auf einen Nebusaradan wird warten müssen, daß er selbst die Bewegung reinigen wird. (Zwischenruf GROSSMANN: Wo sind Eure Vorschläge auf diesem Kongreß? Wie steht es mit der Business?) Ich bewundere die Ruhe des Herrn Großmann. Er hat Zeit und kann ruhig sein. Es gibt aber Dinge, die ihn nicht ruhen lassen und von denen er verlangt, daß sie sofort, im Augenblick, auf dem Kongreß behandelt werden. Das verlangt er, wenn die Sache in die Presse kommen kann. Aber er, der Mann des „demokratischen" Revisionismus sitzt ruhig da, wenn jeden Tag Dinge veröffentlicht werden, die unsere Bewegung zur Schande und zum Spott machen. Eine Bewegung besteht nicht nur aus Wahlen und einem Präsidium. Eine Bewegung besteht aus Menschen, aus Geist, Moral und Kultur. Und wenn auf diesem Kongreß ein Mensch sitzt, in dessen Namen heute in der Zeitung „Haarez" ein Dokument veröffentlicht wurde, in welchem es heißt, daß der Kampf gegen die Histadruth nicht mit Worten und Resolutionen, sondern mit Barrikaden zu führen ist, in welchem es heißt: „Mit Blut und Feuer soll Juda wiedererrichtet werden", „Es lebe die