Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 350)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476290--8757-3484907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
350 Ii. Kongreßsitzung: Generaldebatte in der Stadtverwaltung von Jerusalem bei Nasehaschibi; die Juden protestierten, die Juden demissionierten, aber alles blieb beim alten. Genau so war es beim Hilfsfond. Kisch protestierte, Ruthenberg protestierte, aber Hexter blieb der Herr der Situation; er begriff nicht, daß ein Mitglied der Exekutive der Jewish Agency sich derartiges nicht erlauben darf. Und nun hören wir von einer neuen Sache, von der Emica, einer Kombination von Ica und Emergency Fund. Es ist gewiß etwas Großes, wenn es gelingt, die Ica zu kolonisatorischer Arbeit heranzuziehen. Jahrzehntelang kämpften die Zionisten vergeblich darum. Nachdem die Ica ihre Millionen auf verschiedenen Gebieten verschwendet hat, kommt sie jetzt zu uns. Versteht man denn nicht, daß man nicht in der Agency, der einheitlichen Zentrale aller kolonisatorischen Arbeit in Erez Israel, sitzen und gleichzeitig kolonisatorische Unternehmungen außerhalb der Agency schaffen kann? Das erinnert mich an folgendes Gleichnis: Ein Dorf junge kam in die Stadt, in ein jüdisches Haus. Man brachte in einer großen Schüssel für die ganze Familie Essen. Der Junge füllte zunächst seinen Teller, stellte ihn beiseite und schickte sich an, aus der großen Schüssel zu essen. Aehnlich verfahren die Leute der Agency. So aber kann man die Agency nur diskreditieren. Wenn aber jemand glaubt, daran seien nur die Leute der Agency schuld, so ist er im Irrtum. Wäre unsere Bewegung konstruktiv und nicht von zerstörenden Kräften zerfressen, dann stünden wir auch den Leuten von der Agency gegenüber ganz anders da. Ich will nur ein Beispiel dafür anführen, wie wir die sich uns bietenden Möglichkeiten selbst in die Hände von Philanthropen übergeben. Es kam das große deutsche Unglück, und die ganze Welt sah klar, wenn es eine Antwort geben könne, so dürfe sie nicht in Protestresolutionen und in einem erneuten Kampf um die Emanzipation bestehen, sondern liege allein im Zionismus. Wenn der Zionismus einen Sinn hat, so muß er für ein solches Unglück eine Lösung bieten. Unsere Aktivität hätte sich nicht auf verschiedene leicht durchführbare Aktionen, sondern auf eine große zionistische kolonisatorische Aktion konzentrieren müssen. Wir mußten die Initiative ergreifen. Was aber geschah? Unsere Fonds haben geschlafen, unsere Führer gelangten zu keiner gemeinsamen Arbeit, und als die Arbeiter Erez Israels die Lösung ausgaben, den Exodus aus Deutschland in eine Rückkehr nach Zion zu verwandeln, zumindest die jüdische Jugend und arbeitsfähige Menschen aus Deutschland nach Erez Israel zu bringen, gab es keine Stelle, die diese Losung aufgegriffen hätte. Das wäre eine große Aktion gewesen, die unsere politische Lage in Erez Israel geändert und das Ansehen des Zionismus in der jüdischen Welt erhöht hätte. Wo waren damals alle unsere großen Freunde? Wo war damals die zionistische Führerschaft? Wo war damals der Präsident? Es begann der beschämende persönliche Streit, und die Sache geriet in die Hände der Philanthropen. Ich habe auf diesem Kongreß nicht die Möglichkeit, über die konstruktiven Dinge zu sprechen, mit denen wir nicht nur einmal in zwei