Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 343 (sequence 343)
- Language
- German, English, Hebrew
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Katznelson 343 daß Dr. Wise der Sprecher der schwarzen Kräfte werde. Hier ist es möglich. Bei uns können Menschen, die in Bezug auf die allgemeine Welt „fast" sozialistisch sind, sogar mit der Aguda und den Revisionisten gemeinsame Sache machen. In Bezug auf Amerika weiß Dr. Wise sehr gut, was organisierte Arbeit* was Streikbrecher^, was Arbeiter- Solidarität und was der Kampf der Arbeiter um ihr Wahlrecht bedeutet. In Bezug auf Europa weiß er, was Hitlerismus bedeutet. Wenn Dr. Wise aber die zionistische Tribüne besteigt, vergißt er völlig seine europäische oder amerikanische Einstellung. Es ist merkwürdig, wie jeder bei jeder Gelegenheit beteuert, daß er in Erez Israel für soziale Gerechtigkeit ist. Es verpflichtet zu nichts, für soziale Gerechtigkeit in der Zukunft zu stimmen. Die Pittsburger Resolution ist bekannt. Auch Großmann hat sein Programm der neuen Judenstaatspartei mit den Worten „soziale Gerechtigkeit4' abgeschlossen. Wie sieht es aber mit der sozialen Gerechtigkeit in der Tat aus? In der Tat versteht Dr. Wise nicht, warum man Streikbrecher Streikbrecher nennt, warum wir uns wehren, wenn man die Arbeiterorganisationen zerbrechen will. Hier verbindet sich Dr. Wise mit den Allgemeinen Zionisten, die in Erez Israel das Wahlrecht durch einen Geldzensus beschränken und die Arbeiter aus ihren Positionen verdrängen wollen. Dr. Wise, der ein großer Radikaler ist und sicher die Fahne der Arbeit und Freiheit zu schätzen weiß, tritt auf allen Kongressen gemeinsam mit Leuten auf, die die Arbeiterfahne, die rote Fahne, einen „roten Fetzen" nennen. Und die Leute, die die Arbeiterfahne, die rote Fahne, einen roten Fetzen nennen, schaffen jene Atmosphäre, die Hitler in Deutschland geschaffen hat (Beifall). Dr. Wise, der in Bezug auf Amerika versteht, was Arbeitersolidarität bedeutet, weiß nicht, was das für Erez Israel ist. Ein Mann, der so lange Zeit im Zionismus tätig ist, versteht nicht, daß es in einem Lande von ungeheurer Exploitation, von billiger arabischer Arbeit, wo es keinen Schutz von Seiten der Regierung gibt, für den Arbeiter nur eine Möglichkeit gibt, sich zu schützen: das ist seine Solidarität und seine Organisation. Daher müßten doch alle anständigen Zionisten es als ihre Pflicht ansehen, die jüdischen Arbeiter in ihrem schweren Kampf für das Existenzminimum und für ihre Menschenwürde zu unterstützen; sie müßten Freunde der Arbeiterorganisation sein und Feinde der Leute, die die Arbeiterorganisation zerstören wollen. Dr. Wise versteht das aber nicht. Er sollte doch auch beurteilen können, ob es vom zionistischen Standpunkt im Lande eine andere Kraft gibt, die so wie die Arbeiterschaft für Alija, für jüdische Arbeit gekämpft hat und die die Regierung zwingt, Juden Arbeit zu geben, die ein ernstes politisches Instrument geschaffen hat, das von einem jeden Zionisten vom rein nationalen Standpunkt aus geschätzt werden müßte. Er sollte anerkennen, daß wir vom rein nationalen Standpunkt in Erez Israel für eine Arbeiterorganisation kämpfen müssen und keinen Bruderkampf zwischen Arbeitern zulassen dürfen. Solche elementare Begriffe, die ein jedes Kind versteht, versteht ein Radikaler und Demokrat wie Rabbi Wise nicht. Aber ich muß zu meinem Bedauern noch etwas konstatieren: Es han-