Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 340)
- Language
- German, English, Hebrew
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340 Ii. Kongreßsitzimg: Generaldebatte unsere Pardessim, es kommen unaufhörlich neue Emigranten, es werden neue Häuser gebaut, die Banken in Palästina sind voll von Depositen, und jeder, der es hört, muß zur Ueberzeugung kommen, daß wir sozusagen „über dem Berg" sind. Wenn dies alles wirklich so wäre, dann müßte man sich wundern, warum in der Zionistischen Organisation noch Unzufriedenheit herrscht. Und sie ist doch vorhanden. Wir fühlen nämlich alle sehr deutlich^ daß wir diese Zionistische Organisation noch sehr nötig haben und daß sie, ich will nicht sagen, im Begriffe steht, .auseinanderzufallen, aber doch sehr bedenkliche Risse aufweist. Wir haben uns tatsächlich in diesen Sitzungen über nichts anderes unterhalten als über den Gegensatz von Links und Rechts. Es wäre an sich nichts dagegen zu sagen, daß auch wir uns diesem Allerweltssport hingeben. Der Nachteil ist nur, daß wir auf diese Weise den Fragen, die hier zu lösen sind, keine Aufmerksamkeit schenken können. Dies ist umsomehr zu bedauern, als diese Aufgaben dringender sind denn je, nicht nur darum, weil in Deutschland Judenverfolgungen ausgebrochen sind, sondern vor allem deshalb, weil diese Ereignisse im Leben des jüdischen Volkes einen vollkommenen Umschwung herbeigeführt und dem Zionismus völlig neue Möglichkeiten eröffnet haben. Wir sind hier alte Routiniers der Bewegung und haben kein Organ mehr dafür, zu erfassen, welche Umwälzung sich jetzt im jüdischen Gemüt vollzogen hat. Wer etwa die Verhandlungen in den Organisationskommissionen der Kongresse verfolgt hat, mußte daran zweifeln, daß es noch jemals möglich sein würde, diese Bewegung dazu zu bringen, daß sie das Bewegende auch zu einer Kraft gestalte. Denn wenn man eine Bewegung zu einer Kraft gestalten will, dann muß man sie zu einer Organisation machen. Ich glaube, daß jetzt zum ersten Male seit zehn Jahren wieder eine Möglichkeit dafür vorhanden ist. Es ist jetzt wieder möglich geworden, in die jüdische Welt hinauszugehen und für den reinen zionistischen Gedanken zu werben. Wenn Sie einem Juden deutlich machen wollen, warum er Zionist werden muß, dann müssen Sie ihm die Judenfrage demonstieren. Das können Sie jedoch nicht nach parteilichen Gesichtspunkten, weil es eben eine überparteiische Frage ist. Nicht das ist wichtig, daß wir viele Tausende Juden nach Palästina bekommen, obwohl das wichtig genug ist; wichtig ist, daß Sie es wieder der Mühe wert finden, Juden zu Zionisten zu machen, und daß Sie lernen werden, Zionisten zu behalten. Das kann man nur mittels der Organisation. Wenn Sie eine Organisation haben, dann ist auch eine finanzielle Sanierung möglich. Dann können auch die Schulden, die uns drücken, endlich aus der Welt geschafft werden. Und dann erst bekommt auch die ganze Diskussion über Transjordanien einen Sinn. Denn wenn Ihnen heute ganz Transjordanien zur Verfügung gestellt würde, besäßen Sie ja keine Mittel, um dort etwas anzufangen. Der Ausgangspunkt aller unserer Nöte und Möglichkeiten ist das Organisatorische. Der Moment, diese Aufgabe in Angriff zu nehmen, ist gekommen, aber Voraussetzung ist, daß wir das Unglück in Deutschland nicht als