Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 335)
- Language
- German, English, Hebrew
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Myer3 Grünbaum 335 Ich glaube aber, der Zustimmung aller Gutgesinnten im Saale sicher zu sein, wenn ich mit Ihnen hoffe, daß der Kongreß in den letzten Tagen das halten wird, was er bisher nicht gehalten hat. Ich möchte näher darauf eingehen, warum es so schlecht bei uns im Zionismus steht. Wir Zionisten glauben immer, daß wir jüdische Uebermenschen sind. Ich muß Ihnen aber sagen: wir sind in vielfacher Beziehung nicht mehr als blauweiße Assimilanten. Wir haben es nicht verstanden, daß wir eine eigene, spezifisch jüdische Politik machen müssen. Wir predigen immer, daß wir ein abnormales Volk sind und uns in einer abnormalen Lage befinden, aber wir ziehen nicht die Konsequenzen daraus und arbeiten nach fremden Schablonen. Ich will in wenigen Worten die Kämpfe beleuchten, die wir in den letzten zwei Jahren mitgemacht haben. Man hat einmal den Linken, einmal den Rechten Vorwürfe gemacht. Beide verdienen die Vorwürfe. Die Revisionisten haben eine Politik geführt, die schlecht war, weil sie nicht fundiert war, so wie unsere zionistische Politik oft nicht fundiert ist. Wir machen immer Politik, als ob wir schon im eigenen Lande und im eigenen Staate säßen. Wir klopfen doch erst an die Tore Palästinas. Wir dürfen keine Politik machen, die auch gut fundierte Staaten zugrunderichten würde. Wenn Sie wissen wollen, meine Herren Revisionisten, wie man Staatspolitik macht, dann gehen Sie zu den Cechen, und schauen Sie, wie diese Staatspolitik gemacht haben (Beifall). Sie aber, meine Herren von der Linken, sind eine Enttäuschung auf diesem Kongreß. Sie sind hier die größte Partei, aber Sie haben dasselbe gemacht, was alle anderen gemacht haben. Sie haben zum Fenster hinaus geredet für ihre Wähler, aber es wäre Ihre Pflicht als stärkste Partei gewesen, konstruktive Ideen zu bringen; diese habe ich jedoch vermißt. Ich bewundere Ihre Disziplin und ich rechne den Allgemeinen Zionisten ihre Elastizität hoch an, aber ich meine, ein gewisser Austausch dieser Aktiva wäre besser; hätten die Linken mehr Elastizität und die Allgemeinen mehr Disziplin, so würde dieser Kongreß anders aussehen. Sie folgen alle der Linie des geringsten Widerstandes, und die besteht im Reden und nicht in Taten. Aus dieser Einstellung ist es zu erklären, daß die wichtigsten Probleme hier nur gestreift werden. Ich hoffe,, daß die Frage der Disziplin hier gerecht gelöst werden wird; man treibt niemanden hinaus und man muß juristische Grundlagen schaffen. Aber Ihnen (zu' den Revisionisten gewendet) sage ich: es ist kein Platz für Sie in der Organisation, wenn Sie es so weiter treiben wie bisher (Beifall). Mir schwebt für unsere Situation ein Bild vor. Wir kämpfen alle auf dem Eise und das Eis bricht und wir bemerken nicht, daß wir untergehen. Wenn wir weiter Politik machen wie bisher, dann werden die Wellen über uns zusammenschlagen und Sie werden mit schuld daran sein, daß das Judentum die letzte Chance, die im Zionismus liegt, verliert. Herr Berl Locker, der sonst sehr energisch ist, hat recht sanft über die notwendige Aenderung des Schekelwahlrechts gesprochen.