Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 330)
- Language
- German, English, Hebrew
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330 Ii. Kongreßsitzung: Generaldebatte promisse geben. Man kann nicht einmal die Delegiertenkarte zerreißen und dann wieder zur Organisation zurückkommen. Leider hat hier die Minorität bewiesen, daß sie keinen Sinn für Disziplin hat. Wir haben auf dem Kongreß mit großer Majorität einen Beschluß betreffend die deutsche Judenfrage gefaßt. Am nächsten Tag hat aber eine Partei eine Boykottbewegung eingeleitet und daraus Parteikapital schlagen wollen. So etwas darf nicht zugelassen werden. Wir haben nur einen Weg vor uns: Erez Israel aufzubauen für das ganze Volk und mit dem ganzen Volk. Alle anderen Tagesfragen verschwinden, wenn man die Sache von diesem umfassenden Standpunkt aus betrachtet. Wenn sich das jeder vor Augen halten wird, so werden wir alle Konflikte vermeiden können, die auf diesem Kongreß zu verzeichnen waren (Beifall). Ing. ROBERT STRICKER (Demokr. Rev., A.C. — sf rieht deutsch): Mein Freund Großmann hat bereits über die Gefahren gesprochen, welche den Zionismus von außenher bedrohen, auch davon, daß die Größe dieser Gefahren im ungekehrten Verhältnis steht zu der Stärke dieses Kongresses. Ich will nichts wiederholen, sondern glaube nur über eine innere Gefahr sprechen zu müssen, der man viel zu wenig Beachtung schenkt. Palästina wird aufgebaut, aber nicht unter der Kontrolle der Zionistischen Organisation; die Juden gehen nach Palästina und bauen, ohne sich um die Zionistische Organisation zu kümmern. Und objektiverweise muß man zugeben, daß sie Recht haben, wenn sie nicht auf den Ruf der Organisation warten. Dieser kontrollose Aufbau birgt eine ungeheure Gefahr in sich. Es wird sehr viel von dem Prinzip der jüdischen Arbeit gesprochen. Inzwischen vollzieht sich aber ein Prozeß, der dieses Prinzip aufs schwerste bedroht. Vor einigen Tagen ist in der Londoner „Times" an leitender Stelle ein Artikel erschienen unter dem Titel: „Möglichkeit einer Kooperation zwischen Juden und Arabern." Darin wird ausgeführt, daß das größte Hindernis für die Verständigung zwischen Juden und Arabern in dem Grundsatz der jüdischen Arbeit liegt. Und weiter schreibt der Verfasser dieses Artikels: Jetzt besteht die Hoffnung, daß dieses Hindernis beseitigt werde; denn jetzt kommt ein anderes Element ins Land; die Einwanderer aus Deutschland sind keine fanatischen Nationalisten, sie verstehen, daß man auf dem Prinzip der jüdischen Arbeit nicht beharren kann. Wen hat man früher Extremisten genannt? Die Opposition. Herr Professor Weizmann und sein Kreis hat diesen Ausdruck für uns geprägt. Heute aber wird er nicht nur in Bezug auf uns angewandt, sondern in Bezug auf alle Zionisten. Was dieser Artikel der Times ankündigt, kann bald Wirklichkeit werden. Wir müssen uns darüber klar sein, daß die Elemente, die heute nach Palästina kommen, nicht von jüdischem Idealismus geleitet sind, sondern unter dem Druck der Not hinübergehen, als die alten Assimilanten, für die heute Palästina nichts anderes ist, als ein Nachtasyl. Und darin liegt die ungeheure Gefahr. Lesen Sie nur die deutsch-jüdische Presse; dort fand ich