Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 326 (sequence 326)
- Language
- German, English, Hebrew
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326 io. Kongreßsitzimg: Generaldebatte eine Organisation, welche fortwährend von drakonischer Disziplin spricht und dabei die Seele der ganzen Bewegung verloren hat? Eines der wichtigsten Probleme ist die Einwanderimg. Ben Gurion hat hier ein Rezept gegeben: Primat der Chaluzim-Alija. Ich verstehe nicht einmal genau, was er meint. Meint er alle Chaluzim oder meint er den Hechaluz? Und was ist das für eine Teilung in Chaluzim und Emigranten? Heute wollen die Juden mit aller Kraft nach Erez Israel. Soll man sie auf Zertifikate vertrösten und ihnen mitteilen, daß zuerst die Chaluzim gehen müssen? Der springende Punkt in der ganzen Situation ist, daß wir jedem Juden die Einwanderung ermöglichen müssen. Wir können die Augen nicht vor der jüdischen Wirklichkeit verschließen. Die ganze jüdische Welt, alle Juden, alle schaffenden Elemente müssen Zutritt nach Erez Israel haben. Wir wollen eine breite Einwanderung, und darum, ist das Zertifikat-System heute ein Unding. Früher, als nur ein paar tausend Leute einwandern wollten> konnte man sie vielleicht noch auswählen, aber heute hat sich die Welt geändert. Es muß eine wirkliche Alija geschaffen werden, wir müssen den ganzen Einwanderungsstrom organisieren, u. z. ohne Zertifikat. Wir wollen gewiß keine blinde Alija, sondern eine solche, welche mit Maßnahmen verbunden ist, die dafür sorgen, daß die Einwanderung gesund und nützlich ist und dem weiteren Aufschwung garantiert. Ich werde Ihnen eine Reihe von Vorschlägen in dieser Hinsicht machen und versuchen, auf diesem Kongreß den Geist einer ehrlichen und anständigen Reform durchzusetzen, die der ganzen Bewegung von Nutzen sein soll. Wir schlagen Abschaffung des Zertifikat-Systems vor und grundlegende Aenderung des bestehenden Hachschara-Systems, das den Anforderungen einer io.oooköpfigen Alija nicht entspricht. Wir werden diese Vorschläge in der Kommission eingehend begründen. Dieser Kongreß hat in einer ungesunden Atmosphäre begonnen und ist eine Fortsetzung des Wahlkampfes; er hat die Möglichkeit, zur Tribüne des jüdischen Volkes zu werden, nicht wahrgenommen {Zwischenruf: Verzichtet auf Calais!) Er hätte die Sorgen der jüdischen Massen behandeln und eine Antwort auf alle jüdischen Nöte geben, den Schutz gegen unsere Feinde und den politischen Kampf für unsere Zukunft führen sollen. Statt dessen beschäftigte sich der Kongreß tagelang mit der Präsidiumsfrage und hatte nicht den Mut, eine Antwort auf diese wichtigen Probleme zu geben. Wir werden nach Hause kommen und unseren Wählern keine Antwort geben, sondern nur von dem hartnäckigen parteipolitischen Kampf erzählen können, von dem Versuch, einen Teil dieses Kongresses vor die Tür zu setzen, was in rührender Uebereinstimmung mit der Forderung Alfred Rosenbergs und der deutschen Regierung steht, die auch den Ausschluß des revisionistischen Flügels aus der Zionistischen. Organisation verlangen (Beifall). Remes hat Dr. Wise schlecht informiert. Wir haben den Kampf in Erez Israel nicht begonnen. Wir werden Ihnen Dokumente vorlegen, die das beweisen. Schon im Jahre 1924 haben wir dem Hechaluz Zusammenarbeit vorgeschlagen, unser Vorschlag wurde jedoch abgelehnt. Im Jahre 1925 beschlossen wir, daß alle unsere Mitglieder in die Hista-