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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1934-01-01 · 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933 · p. Seite 315

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
Date
1934-01-01
Page
Seite 315 (sequence 315)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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Bogratscbow, Ussischkin, Wise 315 so schwach sind, uns alles gefallen zu lassen, was man gegen uns unternimmt. Der deutsche Dichter sagt mit Recht, der Mensch müsse entsagen können. Ein Mann, ein Einzelner, kann und muß entsagen. Aber ein Volk darf nicht seinen elementaren Rechten, seinem tiefen Lebenswillen entsagen. Meinen Freunden von der Linken, deren Arbeit und unendliche Mühe beim Aufbau Palästinas wir nicht unterschätzen, die wir um das hohe Glück des Pioniertums beneiden, sagen wir, daß ihr Glaube zu klein ist. Ihr würdet sonst an den unausweichlichen Triumph Eures sozialen, demokratischen Prinzips glauben. Wenn Ihr, wie es zweifellos der Fall ist, meint, daß eine sozialistische Insel in einem kapitalistischen Ozean nicht existieren kann, wie können wir dann die Tore Palästinas für jene sperren, die Euere sozialen Ideale nicht ganz und gar teilen? Verwandelt das Land Israel in ein Utopia, verzögert aber nicht die Wiederbesiedlung des Landes Israel um eines möglichen Utopia willen! Wir machen keine einzelne Partei verantwortlich für den beklagenswerten Streit und bitteren Kampf, welcher während des ganzen Kongresses herrscht. Aber im Namen des Weltjudentums rufen wir nach einem Waffenstillstand, nach einem heiligen Frieden, der nur sein kann, wenn das Jüdische Nationale Heim ohne Adjektiva und Qualifikationen und Bedingungen errichtet wird und ohne, daß ein Glaubensbekenntnis sozialer Natur jene beschränken darf, die an der geheiligten Aufgabe des Wiederaufbaues teilhaben. Was ist Zionismus? Die Rückkehr der Juden nach Palästina von rechtswegen und nicht durch Duldung. Und keine Organisation, ob nun die Arbeiterpartei, der Misrachi, die Revisionisten, die Radikalen oder die Allgemeinen Zionisten soll zu irgend einem ehrenhaften Juden sagen dürfen: „Du kommst nach Palästina nicht von rechtswegen, sondern durch Duldung". Wenn irgend eine Organisation oder Partei den Grundsatz aufstellen würde, daß nur Menschen einer Gesinnung ins Land dürfen, dann opfern wir die große Tradition, den Stolz des jüdischen Lebens, mit seiner unbegrenzten Duldsamkeit und seinem Verständnis für die Wahrheit, daß nicht Hegemonie, gleiche Denkweise, Uniformität die Stärke eines Volkes ist, sondern Mannigfaltigkeit mit dem Wechselspiel verschiedener Typen und Einflüsse in dem gemeinsamen Leben einer Nation.'Wenn kapitalistische Gruppen morgen sagen würden, man dürfe keine Nichtkapitalisten zulassen, wenn die Reformjuden verlangten, daß nur Anhänger der Reform einwandern dürfen, — dann würde ein unerträglicher Zustand herbeigeführt werden. Die Forderung einheitlicher Gesinnung, ob nun auf sozialem, wirtschaftlichem oder religiösem Gebiete, ist ein schwerer Verstoß gegen die klassische Tradition unseres Volkes. Wir haben sie gegen andere, die erbarmungslos verlangten, wir sollten ihnen gleich sein, zu teuer, mit zu großen Opfern erkauft. Wenn ferner der Grundsatz gelten dürfte, daß gleiche Gesinnung auch nur in einem bestimmten Maß verlangt werden dürfe, müßt Ihr das Prinzip eines Führers der radikalen Partei gelten lassen, daß man

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