Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 305 (sequence 305)
- Language
- German, English, Hebrew
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Ebner, Waldmann 305 ließ sich auch in Rußland nicht durchführen, ebenso wie es heute undurchführbar ist. Aber diese Geschichte drängt zu einer endlichen und endgültigen Lösung der Judenfrage. Theodor Herzl sah zu seiner Zeit noch einen erträglichen Antisemitismus und er hat vorausgesagt, daß die Lösung nach einem europäischen Kriege im zionistischen Sinne kommen wird. Die Lösung, die Herzl vorschlug, ist aber in Wahrheit erst jetzt, in diesen Tagen fällig und schlüssig geworden. Die Geschichte hat das schier Unglaubliche zur Wahrheit gemacht. Die Judenemanzipation wird aufgehoben und so allgemein ist die Ueberzeugung, daß nunmehr die Judenfrage endgültig gelöst werden wird, und zwar im national-jüdischen Sinne, daß sogar Cuza vor Kurzem erklärt hat: Die nationalsozialistische Bewegung wird das Seltsame zur Folge haben, daß auch die Juden ein eigenes Territorium bekommen müssen und zur Nation werden. In diesem Sinne werden sie — sagte er — vom Nationalsozialismus profitieren. So sehr ich nun Pessimist bin in Bezug auf unsere Lage im Galuth, so optimistisch sehe ich die Entwicklung in Palästina. Es können tausendmal French-Berichte kommen. England mag sich noch so sehr gegen eine gesteigerte Immigration sträuben. Die Ereignisse werden stärker sein, und es wird sich ein Strom der Wanderung über Palästina ergießen und nicht nur über Palästina, sondern über den ganzen Vorderen Orient. Ich will noch auf eine Gefahr aufmerksam machen. Man hat uns vorgeworfen, daß wir den Gedanken des Judenstaates verwässern. Aus dem Judenstaat haben wir eine Heimstätte gemacht. Heute droht die Verwässerung der Heimstätte zur Zufluchtstätte. Zuflucht ist aber nicht Heimat und für viele ist Palästina nur eine Zuflucht geworden. Viele deutsche Juden träumen in Palästina von den schattigen deutschen Wäldern und ihre Seele ist noch erfüllt von dem Zauber deutscher Poesie. Sie werden wohl die erste Gelegenheit benützen, um nach Deutschland zurückzukehren. Dies ist aber nicht der Sinn der Heimstätte, dies ist nur der Sinn einer Zufluchtstätte. Wir aber wollen, daß Erez Israel zur lieben teuren Heimat wird, aus der man sich nicht hinaussehnt und aus der man nicht vertrieben werden kann (Beifall). Zum Schlüsse will ich als alter Zionist an die Einigkeit aller Parteien appellieren: Wir wollen uns alle der Verfassung des Kongresses und der Disziplin der Organisation unterwerfen und zusammenarbeiten in Eintracht im Interesse der Jüdischen Heimstätte. Sie wird und sie soll sich im Laufe der Zeit zu einem jüdischen Gemeinwesen auf autonomer Grundlage entwickeln (Lebhafter Beifall). Dr. ISRAEL WALDMANN (Rad., Weltw. — spricht deutsch): Meine Freunde von der radikalen Gruppe, die Delegierten Jizchak Grünbaum und Dr. Nahum Goldmann, haben hier zwei Grundprinzipien unseres Programmes erwähnt: Unsere Einstellung zu sozialen Fragen in Palästina sowie unsere Forderung einer radikaleren, schärferen Betonung der politischen Aktivität. Ich will mir erlauben, auf das 20