Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 18 (1934) Prag, 21. August bis 4. September 1933
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 294)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476290--8701-3484851- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
294 p. Kongreßsitzung: Generaldebatte besonders groß. Während der fünfzehn Jahre nach der britischen Ero~ berung haben wir große Fehler gemacht und das ist eine gute Lehre für uns. Jetzt können wir auf Grund unserer Erfahrungen viel leichter an dem großen Werke bauen. Während der letzten fünf Monate sind je 2000 Menschen monatlich eingewandert. Die Katastrophe, die nach der vierten Ali ja eingetreten ist^ wird nicht so leicht wiederkehren. Zwar wissen wir, daß der Prozeß der Kolonisation sich in Ebbe und Flut vollzieht, und wir fürchten die Ebbe, aber wir hoffen, daß die Flut nicht ein Jahr, sondern einige Jahre anhalten wird. Und in diesen Jahren müssen wir Hunderttausende von Juden nach Palästina bringen, um unsere Position zu festigen und die Grundlage für weiteren Aufbau zu schaffen. Das Wichtigste ist, daß wir die Ali ja im Ausland und in Erez Israel organisieren. Wir fühlen die Fehler, die wir früher gemacht haben in Bezug auf Boden, auf Bauten und auch damit, daß wir die Kolonisation nur auf gewisse Punkte konzentriert haben. Wir haben den natürlichen Reichtum des Landes nicht genug gesucht, der uns neue wirtschaftliche Möglichkeiten gibt, durch die sich die Aufnahmefähigkeit des Landes vergrößert. Leider kann das nationale Kapital der Alija nicht helfen. Das Budget, das dem Kongreß vorgelegt werden soll, wird zeigen, daß wir in naher Zukunft nicht auf große Tätigkeit des nationalen Kapitals hoffen können und daß nur das Privatkapital das Land aufbauen kann. Dieses Privatkapital müssen wir organisieren und lenken, jedoch nicht mit Repressalien, sondern in den Formen des guten Willens. Neben der Jewish Agency muß eine wirtschaftliche Beratungsstelle bestehen,, die das Privatkapital führt und lenkt. Das haben wir schon vor zwei Jahren vorgeschlagen. Die zionistische Bewegung muß dafür sorgen, daß Institutionen geschaffen werden, welche es ermöglichen, die Juden nicht nur zum Pardes zu führen, sondern auch zur Industrie und zu anderen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Dazu brauchen wir auch eine Industriebank. 30.000 Juden leben schon von der Industrie, und hier sind ganz bedeutende Möglichkeiten für eine Alija großen Stils. Leider ist bis jetzt nur eine kleine Bank gegründet worden, die schon in kurzer Zeit gezeigt hat, wie viel Nutzen sie bringen kann. Aber ihr Vermögen ist nur klein — es muß vergrößert werden. Auch die Frage des landwirtschaftlichen Kredits steht auf der Tagesordnung. Gerade jetzt muß eine Institution hiefür geschaffen werden. Wir stehen vor dem Ansturm einer großen Alija des Mittelstandes, und dieser Mittelstand, der mit einem kleinen Vermögen ins Land kommt, bedarf des Kredits, sonst kann er nicht im Lande bleiben. Die Alija muß die zentrale Frage der neuen Exekutive der zionistischen Bewegung sein. Hunderttausende von Juden sind bereit, einzuwandern, aber sie sehen vielfach den Weg verschlossen. Die Regierung weist eine große Zahl von Juden ab. So kann die Aufnahmskraft des Landes nicht wachsen. Die Frage der Einwanderungsgesetzgebung muß an die Spitze der zionistischen Politik gestellt werden. Trotzdem das Einwanderungsge-